Review von:
Sascha

online seit:
05.11.2005

 

Never Comes Silence - One Second Eternity

[...härter als zuvor, emotionaler als in der Vergangenheit aber auch ein Licht am Ende der Nacht...]

Leider kenne ich Never Comes Silence erst seit der "One Second Eternity" aber den einen Teil des oben zitierten Satzes kann ich nur unterschreiben. Ein Licht am Ende der Nacht. Bei "Never Comes Silence" habe ich zuerst eine Kopie von den holländischen "The Gathering" erwartet. Obwohl man sie im weitesten Sinne durchaus damit vergleichen könnte, bekommt der Hörer doch eine unerwartete Symbiose aus Metal-Romantik (sowas gibt es wirklich!) und doomige Verzweiflung geboten. Zweifelsohne würden auch einige Gothic Anhänger auf ihre Kosten kommen. Die "One Second Eternity" kann aber durchaus auch anders! Wer das Gefühl einer aggressiven Trauerwut kennt, weiß was ich meine. Aber zu den Einzelheiten:

Der Gesang ist meiner Meinung nach als durchweg sehr gut gelungen zu beurteilen. Tanja`s Stimme kommt sowohl ernst rockig bis theatralisch gut zur Geltung. Besonders toll finde ich, dass nicht versucht wird Operngesang oder extrem hohe Passagen einzubauen wie es im Moment ja so Trend ist. Würde auch zu der tiefe der Songs nicht wirklich passen. Tom bildet den männlichen und absolut passenden Gegenpart. Es wird in den "Mitten" gegrollt. Wieder eine kleine Überraschung, da es nicht wirklich in die ganz tiefen Töne geht. Tom`s Stimme, bringt genau das zum Ausdruck, was ich oben im Text beschrieben habe (aggressive Trauerwut) und sorgt dafür, dass das Ganze ein gesundes Maß an Aggressivität bekommt. Die beiden ergänzen sich natürlich und ohne Übertreibungen, fantastisch!

Kommen wir mal zu den Gitarren. Wow! Da ich ja sowieso ein Fan von Melodien bin, bin ich bei "NCS" wunderbar aufgehoben. Die melodieführende Gitarre hat zu 100% meinen Geschmack getroffen. Die Gitarrenarbeit ist recht abwechslungsreich. Von schweren doom-riffs über reitenden schnelleren Parts bis hin zu klassischen Metal-Riffs ist vieles vertreten ohne dabei an Eigenständigkeit zu verlieren. Und wer zum Teufel hat diese geile Akustik Gitarre im Würgegriff?

Den Bass hätte ich mir mehr in den Vordergrund gewünscht. Sicher wäre der Bass als eigenständiges Instrument mit eigener Rolle im Spiel noch besser rübergekommen. Für mich macht es den Eindruck als fungiert er als reines Begleitinstrument. Was den Gesamteindruck nicht wirklich schadet, zudem der Uwe sicher genug zu tun hat. Ich halte mich aber an die Regel "Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten" also will ich das auch mal so machen.
Das Keyboard gestaltet den Sound breiter und gibt der ganzen Sache eine natürliche Tiefe. Es wird hörbar aber dezent gespielt und man braucht kein nerviges "Gedudel" zu erwarten. Das Intro der Scheibe wird atmosphärisch von den Keys getragen. Bei dem Song "No Return" greift man auf klassischen Piano-Sound zurück und es fügt sich nahtlos ein, wäre ohne fast nur halb so schön.

Bleibt noch die Violine zu erwähnen. Es gibt kein Instrument welches mir ein größeres Rätsel ist als die Violine. Ich liebe dieses Instrument, wäre aber sicherlich nie in der Lage es zu spielen, geschweige denn diesem Ding eine so mystisch anmutende Melodie zu entlocken wie Reini das hinzaubert. Man höre sich besonders den träumerischen Anfang von "A Prisoners Dream" an.

Der Drummer beweist seine Professionalität indem er es nicht übertreibt sondern die Sache gelungen abrundet. Es gibt nichts was ich mehr hasse als völlig überzogenes Drumming welches alle Instrumente in den Hintergrund drängt. Tatsächlich gibt Fabian zwar deutlich den Takt an, vermeidet es aber ein unnötiges Break nach dem anderen zu spielen und rödelt nicht, wie viele andere, dauernd auf seinen Tom`s herum. Er hält sich auch mal dezent im Hintergrund um dann wieder loszurocken wenn es auch wirklich nötig ist. Die Breaks sind genau dort wo sie hingehören und sinnvoll eingesetzt.

Mein Fazit: Das Album "One Second Eternity" hat es nicht verdient, einfach nur mal so zwischendurch gehört zu werden. Wie gesagt könnte man "NCS" vielleicht ansatzweise mit "The Gathering" vergleichen aber zudem kommen noch sehr viele eigenständige Elemente, welche die Musik doch zu etwas neuen machen. "One Second Eternity" ist verträumt, melancholisch, theatralisch und weiß auch durchaus in den Arsch zu treten wenn es an der Zeit ist. Der Albumtitel ist sehr passend gewählt, die Produktion an sich ist Super. Ich liebe diese Scheibe besonders in ruhigen und nachdenklichen Momenten. Das Album ist zwar gut zugänglich aber dennoch sollte man sich beim Hören Zeit nehmen und genau hinhören um die schon fast liebevollen Details genießen zu können. Ich würde behaupten, dass "NCS" die unerhörteste Band in unserem Lande ist. Zudem habe ich mir sagen lassen, die Band sei Live ebenso hörenswert!