Review von:
Sascha

online seit:
23.05.2006

 

Moonspell – Memorial

Ich mag Moonspell. Ja, wirklich! Irgendwie haben die portugiesischen Finsterlinge einen ganz bestimmten südländischen Sound bzw. Atmosphäre. Ich weiß noch damals, ich war ungefähr 16 Jahre alt, da bekam ich die „Wolfheart“ zwischen meine damals gut durchtrainierten Wichsgriffel. Ein bißchen „Alma Mater“ hier und ein wenig „Midnight Ride“ dort und schon war ich so begeistert, daß ich stolz mit einem Wolfheart Longsleeve durch Geseke eierte und jeder mich fragte: „Was zum Henker soll das da auf deinem Shirt bedeuten?“

Die Wolfheart hatte etwas vampirisch-mystisches an sich, was ich so toll fand. Vampiria, your my destiny!!! Die darauffolgende „Irreligious“ fand ich zwar auch nicht schlecht mit dem typischen, überall gespielten „Opium“ und dem ziemlich interessanten Track „Herr Spiegelmann“ aber ich war nicht mehr so begeistert wie zuvor. Wobei die Scheibe sicher nicht schlecht ist und auch immer noch ein bis zwei Runden im Jahr bei mir läuft…

Mit den darauf folgenden Scheiben konnte ich leider gar nichts mehr anfangen und habe bisweilen in weiteren Releases nicht einmal mehr reingehört muß ich gestehen. Bis zu dem Zeitpunkt, als mir die aktuelle Scheibe „Memorial“ empfohlen wurde. Mir wurde gesagt: „Hey, die Scheibe mußt du haben! Klingt wirklich und wahrhaftig wie eine Mischung aus Wolfheart und Irreligious!“ Gut! Also habe ich mir diese Scheibe blindlings an Land gezogen.

Die ersten Klänge des Intros waren für mich erstmal gar nicht „Moonspell-Like“ aber es klang ok! Nach gut einer Minute machte sich wieder dieses unverwechselbare südländische Feeling in mir breit und mein Herz ging auf als das Intro fast vorbei war. Der erste Song „Finisterra“ trieb mir ein leichtes lächeln und Kopfnicken ein. Ja, das klingt nicht schlecht! Der Song „Memento Mori“ bringt mich nun letztendlich zum moshen, allerdings hätte ich in mir straighter gewünscht. Der Wechsel zwischen Growls und Cleanen Gesang gefällt mir zwar aber immer wenn ich so richtig abgehe, wird es von ruhigeren Parts unterbrochen. Ist nicht weiter schlimm aber live will ich da nicht in erster Reihe stehen. Ganz einfach aus dem Grund, daß mein dummes Gesicht gesehen werden könnte, wenn ich beim Moshen immer so plötzlich unterbrochen werde. Beim Song „Upon the Blood of Men“ geht mir am Anfang die Konserve aufn Sack! Klingt doch irgendwie nach einem Bontempi Keyboard. Das schadet allerdings dem Rest vom Song nicht, der mir wirklich gut gefällt. Und im Zusammenspiel mit der geilen Gitarre fällt das sehr künstliche Keyboard (oder Samples?) nicht weiter negativ auf. Der folgende Song „At the image of pain“ beginnt recht majestätisch. So könnte man die Scheibe eigentlich durchweg bezeichnen. Bei dem kurzen Zwischenspiel (es sind drei kurze Zwischendinger dabei wenn man „Proliferation“ mitzählt) „Mare Nostrum“ denkt man kurzzeitig, daß „Trebaruna“ von der „Wolfheart“ zurück ist. Leider ist dem nicht so. Ich finde diese Zwischendinger zwar nicht schlecht aber für die Scheibe eigentlich unnötig.

So, jetzt kommen wir zum Song „Luna“ Der weibliche Gesang ist geil und als Duett klingen die beiden meiner Meinung nach sehr gut. Aber… mal ehrlich wenn Fernando (Gesang) jetzt plötzlich mitten im Song anfängt „My Girlfriends, Girlfriend“ (Type-O-Negative) zu singen würde es mich nicht wirklich wundern. Es erinnert doch sehr an Type-O-Negative.

Als Fazit: In der Tat ist die Scheibe eine Mischung aus „Wolfheart“ und „Irreligious“! Mehr oder weniger muß ich dazu allerdings sagen…

Denn eins ist klar, auch wenn das typische südländische Feeling bei mir wieder geweckt wird und mir die Scheibe im großen und ganzen gefällt und auch sicher kein Fehlkauf sein wird: Sie ist nicht so mystisch wie „Trebaruna“ und auch nicht so aggressiv rockig wie „Alma Mater“ Und einen absoluten Ohrwurmfaktor wie „Opium“ oder „Herr Spiegelmann“ suche ich leider immer noch.

Allerdings muß ich sagen, daß sie relativ düster, majestätisch gothic metal mäßig rüber kommt. Wer also auf so was steht, sollte zugreifen. Wer sich jedoch eine moderne „Wolfheart“ darunter vorstellt, sollte besser die Finger davon lassen.

Wer Moonspell noch gar nicht kennt, sollte reinhören bevor er sich die Scheibe zulegt. Alles in allem ein gelungenes Album mit Schwachstellen über die man getrost hinwegsehen kann. Ein paar Stellen zum abmoschen sind jedenfalls vorhanden!