Tracklist:

1. Sweet Lilith of My Dreams
2. Another Me

3. Red Dawn Rising

4. Upon the Moors

5. Sakura No Rei

6. Sinister Rain

7. Lost Rune of Thunder

8. Tar Still Flows

9. Angelheart, Ravenheart (Act I: Before the Bleeding Sun)

Review von:
Silvia

online seit:
27.07.2006

 

Eternal Tears of Sorrow – Before the Bleeding Sun

  

Satte fünf Jahre haben Eternal Tears of Sorrow sich seit dem letzten Album Zeit gelassen, bis dieses Jahr endlich das lang ersehnte fünfte Album der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde.

Sofort ins Auge springt das Cover, was im Gegensatz zu den Vorgängern wesentlich weniger düster erscheint. Fast könnte man erwarten, dass es sich bei dem vorliegenden Machwerk neuerdings eher um Gothic Metal als um typisch finnischen Death Metal handelt.

Aber erstmal reingehört…los geht’s mit „Sweet Lilith of My Dreams“. Nein, ganz eindeutig kein Gothic Metal, dennoch beweist dieser Song bereits, dass sich im Hause EToS einiges getan hat. Als hätte man die vielen Jahre genug Energie ansammeln wollen sind die Finnen wie es scheint insgesamt ne Ecke schneller geworden und auch Sänger Altti Veteläinen (der übrigens auch bei unserer Portalband For my pain…aktiv ist) hat sich stimmlich etwas gewandelt. Dennoch: Der Wiedererkennungswert ist der Band nicht verloren gegangen und so hätte man sie wohl auch erkannt, wenn man nicht das hübsche Cover vor sich liegen hätte.

Weiterhin fällt hier auch schon auf, dass es bei den Finnen einige Veränderungen im Line-up gab: Janne Tolsa (Tarot) ersetzt Pasi Hiltula an den Tasten. Diese Veränderung ist durchaus positiv zu bewerten, da die Keyboards jetzt etwas mehr in den Hintergrund treten, besser in die Musik integriert sind als zuvor und für ein bisschen mehr Bombast sorgen, ohne dabei aufdringlich zu sein. Außerdem schwinden nun die Begründungen für diejenigen, die EToS früher gern als übertriebenes Keyboard-Geklimper bezeichnet haben. Vermutlich ist Risto Ruuth, der neue Gitarrist der für Antti Kokko eingesprungen ist, an dieser Tatsache jedoch auch nicht ganz unschuldig.

Another Me“ bezeichne ich jetzt einfach mal als einen gemein dramatischen Death-Knaller, der durch den ein oder anderen Tempowechsel und das unter Beweis stellen von Alttis Stimmvielfalt und auch allgemein seinen Abwechslungsreichtum überzeugen kann. 

In den Schatten gestellt wird er allerdings durch seinen Nachfolger „Red Dawn Rising“, der schon von Anfang an zu meinen Favoriten dieser Scheibe gehörte. Nach „Another Me“ geht’s hiermit erstmal verhältnismäßig ruhig weiter. Mit Hilfe der cleanen Vocals, beigesteuert von Jarmo Kylmänen, haben sie es mal wieder geschafft mein Herz zu erweichen. Denn wem meine Vorliebe für unsere Portalband „For my pain…“ nicht ganz fremd ist, wird vermutlich auch der Name Kylmänen was sagen. Der hier tätig gewordene Jarmo ist – man hört’s deutlich – der Bruder von For my pain…-Sänger Juha, der ebenfalls auf früheren EToS-Alben seine cleane Stimme zur Verfügung gestellt hat. Diese Familie kann sich wirklich glücklich schätzen, mit solch wunderschönen Stimmen gesegnet zu sein.

Übrigens ist dies nicht die einzige Parallele zu „For my pain…“. Miriam Renvåg, die auch schon den Gothic Metallern ihre bezaubernde Stimme geliehen hat, kommt auch bei EToS das ein oder andere Mal zum Einsatz.

Damit man nicht nur einseitig finnische Bands paart, hat man sich für die Background-Vocals auch noch Unterstützung von Tony Kakko (Sonata Arctica) und Marco Hietala (Nightwish & Tarot) geholt.

Mit „Upon the Moors“ jagt der finnische Fünfer dem Hörer erstmal kalte Schauber über den Rücken. Die düstere Stimmung passt wahrlich gut zum Songtitel und auch Sänger Altti kehrt hier wohl mal seine Schattenseiten nach außen.

Sakura No Rei“ packt erstmal ne ordentliche Stimmung aus, die durch schöne Chöre im Hintergrund und den Einsatz von Streichern (nein, ich glaub es waren nicht Apocalyptica *g*) noch unterstrichen wird. Ein recht ruhiger Song voll Romantik und Dramatik der sowas wie eine Einleitung zu „Sinister Rain“ darstellt. Eben dieser tut gut daran, die nun vorherrschende Stimmung noch zu intensivieren und bildet für mich den absoluten Wendepunkt der Scheibe. Wo zunächst zu Beginn der „Before the Bleeding Sun“ das Lebendige und Schöne gepriesen und besungen wurde, werden die folgenden Songs sich thematisch drehen und eher die Zerstörung in den Blick nehmen.

So ist es passend, dass es mit „Lost Rune of Thunder“ jetzt wieder schneller und roher zur Sache geht also zuvor. Diese Entwicklung scheint sich übrigens auch im Booklet zu vollziehen, interessant auf was man hier so alles aufmerksam werden kann. Das ist wohl mal wirkliche Liebe zum Detail.

Tar Still Flows“ kramt nochmal die Keyboards in den Vordergrund und legt noch ein ganzes Stück an Geschwindigkeit zu. Eindeutig der schnellste Song der Platte, der übrigens noch mal die Dramatik von zuvor aufgreift und ins schier unendliche zu treiben scheint.

Sehr überraschend und ein neues Kapitel aufschlagend ist „Angelheart, Ravenheart“, welches den Untertitel „Act I: Before the Bleeding Sun“ trägt. Sehr passend, denn wie im Theater fühlt man sich hier tatsächlich. Schön ruhig beginnend zeigen Eternal Tears of Sorrow hier zum Schluss noch mal, was sie in Sachen Bombastik seit dem letzten Album so dazugelernt haben. Übrigens gibt’s hier ne Stelle, die mich so verdammt stark an die Nightwish-Keyboards des letzten Albums erinnert und glatt als soundtrackfähig durchgehen könnte. Gut gemacht, wenn vielleicht auch so ein kleines bisschen abgeguckt, aber bei dem finnischen Band-Inzest bleibt das wohl nicht aus ;-) Wie dem auch sei, schöner Song, der die Scheibe gelungen abrundet und auf einen zweiten Akt hoffen lässt.

Zusammenfassend kann man wohl sagen, dass die fünf Jahre seit der letzten Veröffentlichung an den Finnen nicht spurlos vorübergegangen sind, es sich einiges getan hat, die Band aber immernoch ihren Wiedererkennungswert bewahrt hat. Wem die Vorgänger dieses Albums gefallen haben, wird sicherlich auch an „Before the Bleeding Sun“ seine Freude haben. Eternal Tears of Sorrow sind also immernoch ein Ohr wert!