Review von:
Jochen

online seit:
01.05.2005

 

Deviated Presence - Eerie Sphere
Limited Access Records

„Unstraight Death Metal“ nennen die drei aus Bochum ihre Musik. Aber das kann nur eine Annäherung sein. Nach dem schon hervorragenden Debut „Fall's Passage“ haben Deviated Presence ihren Stil konsequent weiterentwickelt und ihre sehr komplexen Songstrukturen für mich nachvollziehbarer gemacht, ohne dabei die Musikalität ins Hintertreffen geraten zu lassen. Wer jetzt neugierig geworden ist, der sei noch einmal darauf hingewiesen, dass Deviated Presence keine Musik zum Entspannen machen... ihre Konzerte sind für den Zuhörer ziemlich atemlos, fordern aktives Zuhören und Nachvollziehen und vor allem Nachfühlen. „Eerie Sphere“ ist als Eigenaufnahme im Herbst 2004 entstanden und im April 2005 auf Limited Access Records erschienen. Wenn ich die Webseite richtig verstanden habe, ist sie derzeit aber nur über den Shop auf der Webseite zu beziehen, der offizielle Vertrieb beginnt erst im Juni 2005.

Ich möchte eigentlich die Platte nicht in einzelne Stücke zerlegen, sondern als Gesamtkunstwerk stehen lassen. Krachige, durchaus Death Metal-lastige und immer sehr rhythmische Passagen mit Growls wechseln sich mit sphärischen akustischen Gitarren und klarem Gesang ab. In diesen ruhigen Passagen liegt der hypnotische Charakter der Musik. Da werden Klangteppiche aufgebaut, die zu durchhören nicht unbedingt auf Anhieb leicht ist, Krasse Brüche im Fluss der Musik machen gerade aufgebaute idyllische Stimmungen gezielt zunichte, harte, fast böse klingende Growl-Passagen durch plötzliche Stimmungswechsel abgedämpft. Wann auch immer man mein, die (in meinem Fall) nicht vorhandene Mähne schütteln zu können, wird man Schwierigkeiten haben, in den richtigen Takt zu kommen. Und wenn man ihn gefunden hat, dann ist die Passage auch schon wieder vorbei.

Deviated Presence schicken auf dem CD-Cover einen Dank an Opeth... und das ist auch der deutlichste Einfluss, den man beim ersten Hören ausmacht. Aber für mich gehen DP weiter; sie zerlegen Metal-Klischees, zerhacken ihre eigenen Riffs und führen vieles ad absurdum, an das wir uns in den letzten Jahren so gemütlich gewöhnt haben.

Wenn das alles jetzt furchtbar anstrengend und kompliziert klingt, dann muss ich sagen: ich empfinde das nicht so. Die Platte macht grossen Spaß, wenn man sich auf sie einlässt. Und die Konzerte machen grossen Spaß, wenn man sich vom Metal-Klischee ein bißchen löst und sich verführen lässt, ihnen im Sitzen und mit einem Glas Wein in der Hand zuzuhören. Ich für meinen Teil kann nur einen Dank in Richtung Bochum schicken: Eine tolle Platte, die sehr oft dreht bei mir.

Besetzung:
Felix Gebhart: git, voc, drums)
Hubert Popiolek (git, voc)
Frank Pirnay (bass)

live wird das Schlagzeug vom Computer eingespielt. Aber gerüchteweise laufen auch Verhandlungen mit einem live-Drummer.