Autor: André Schönfelder
Titel: Metal, Bier und Wurstsalat
Broschiert: 272 Seiten
Verlag: Zsr Verlag; Auflage: 1 (31. August 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3940758043

Review von:
Andreas Schäfer

online seit:
23.12.2009

 

Metal, Bier und Wurstsalat


Heranwachsende Jungs werfen in unbeobachteten Stunden bevorzugt einen Blick in die Tagebücher ihrer älteren Geschwister. Die Aufzeichnungen der größeren Schwester strahlen dabei eine ganz besondere Anziehungskraft auf sie aus. Jede ihrer mit Bedacht niedergeschriebenen Zeilen umgibt eine spannungsreiche Mystik. Der Reiz einen Blick in das Tagebuch des älteren Bruders zu erhaschen ist hingegen weitaus weniger ausgeprägt. Dessen bruchstückhaften Erinnerungen an die zurückliegenden Partynächte finden ihre Würdigung
vielmehr in naiven Erlebniserzählungen. Banale Satzaneinanderreihungen in krakeligem Kugelschreiberblau.

Ähnliches dürfte auf das Leben und Tagebuch des 19-jährigen Simon zutreffen. Dieser verkörpert den fiktiven Hauptcharakter in André Schönfelders Erstlingswerk „METAL, BIER UND WURSTSALAT“. Simons Wesen kann als „relativ einfach gestrickt“ umschrieben werden. Simon mag Bier - besonders gerne in beträchtlichen Mengen. Zudem mag Simon Metal - besonders wenn dieser von seinen Helden Slayer gespielt wird.

Eine mehr als optimale Basis also um die erste Thrash Metal-Band seiner provinziellen Heimatstadt Apen zu gründen. Die verschworene Gemeinschaft der „Society of Skeletons“ setzt sich alsbald aus Simons Mitbewohner Arne (selten um einen gezwungen lässigen Spruch verlegen), dem adipösen Kulle und dem spindeldürren rothaarigen Hinnerk zusammen. Bereits nach der ersten Probe steht für alle Beteiligten der vorgezeichnete Weg der Band fest - ohne Umwege in den Metal-Olymp nach Wacken.

Aus der Ich-Perspektive beschreibt Sänger Simon auf knapp 260 Seiten all die Träume und Hoffnungen, die er mit seiner Band verbindet. Der Leser erhält stimmungsvolle Eindrücke von nervösen Konzertsituationen und bierseligen Aftershow-Parties. Der große Traum vom Rockstar, den bereits so viele junge Bands geträumt haben und doch all zu schnell von der Realität eingeholt wurden.


Die Stückelung in tagebuchhafte Kapitel von durchschnittlich zehn Seiten macht das Buch zu einem durchaus kurzweiligen Lesevergnügen. Leider verliert sich der Verfasser häufig in Belanglosigkeiten. Diese spiegeln den tristen Alltag des Protagonisten sicherlich treffend wieder, sind für den Lesespaß jedoch nicht förderlich. Der jugendlich-naive Schreibstil wird anspruchsvollere Leser nur bedingt ansprechen. Für angehende Metaller im Alter von 12 bis 18 Jahren kann jedoch eine Leseempfehlung ausgesprochen werden. Sie erhalten einen abwechslungsreichen und realitätsnahen Einblick, was ihnen in der Welt des Metals noch bevorsteht.

Wer zu Weihnachten auf Metal, Bier und Wurstsalat nicht verzichten möchte, kann mit diesem Buch ein nettes Geschenk unter dem Baum platzieren. Die darauf folgenden Feiertage lassen sich damit auf jeden Fall zügig überbrücken.