METAL INFERNO-Festival, 03. & 04. März 2006, Kulturwerkstatt Paderborn

Freitag, 03.03.2006 

Konzerte in der Kulturwerkstatt sind eigentlich immer was Besonderes. Zum einen, weil man nicht erst wer weiß wie viele hundert Kilometer fahren muss und zum anderen hat man immer die Gelegenheit dort ein paar alte Bekannte zu treffen. Bei meiner Ankunft bot sich jedoch erst einmal ein etwas ungewöhnliches Bild. So fielen zwischen all den schwarz gekleideten Metallern vor allem die fröhlich umherspringenden und buntgekleideten Kleinkinder auf, die wohl grade von der Vorstellung eines Puppentheaters in einem der Nebenräume der Kulturwerkstatt kamen. Nach den Reaktionen der kleinen muss dies wohl ein voller Erfolg gewesen sein. Hoffen wir mal, dass dies für das diesjährige Metal Inferno ebenfalls gilt.

Rotten Seed
Los ging's etwas verspätet mit Rotten Seed. Die Band legte sich trotz anfänglicher Soundprobleme mächtig ins Zeug. Ihr US geprägter Death Metal mit einigen kurzen Ausflügen in grindige Gebiete konnte nicht nur mich, sondern auch einen Großteil der bis dahin anwesenden Besucher begeistern. Daumen hoch! (M)

Cetor
Die von Rotten Seed ersichtlich mitgenommen Besucher wurden in der Umbaupause nach und nach mit Frischfleisch versorgt und so wurde eine gute Grundlage für Cetor geschaffen. Paderborn ist für Cetor kein unbekanntes Pflaster mehr:
Auf dem Bandwettbewerb haben sie schon einmal richtig gerockt. Anders sollte es auf dem Metal Inferno auch nicht werden. Nachdem ich bisher nur die erste CD „Burn“ kannte und nun das Vergnügen hatte, Cetor in der aktuellen Besetzung und mit den neuen Songs live zu sehen, wurde mir schon anders. Der Sound, der teilweise thrash-doomige Elemente in sich zum Vorschein brachte, begeisterte sofort. So erging es nicht nur mir. Die restlichen Besucher machten den Anschein, mit Cetor richtig was anfangen zu können. Vom Schlagzeug ging nicht nur ein wahnsinnig saubrer Sound aus, sondern gelegentlich ertönten Schreie, welche einen noch satteren Sound ins Publikum ballerte. Hat mir alles sehr gut gefallen und man sollte die Bad Wünnenberger nicht aus den Augen lassen. Cetor haben verdammt nochmal gerockt. Weiter so!

Neon Sunrise
Mit ihrem doch recht anspruchsvollen Power-Progressive Metal konnten die Jungs von Neon Sunrise das Publikum in ihren Bann ziehen. Lag es am hyperaktiven Sänger oder an den vielen verschiedenen Einflüssen die von Neon Sunrise ausgehen? Ich würd mal sagen beides. Musikalisch gesehen kam fest niemand zu kurz. Es wurde eine Show hingelegt, die etliche Bereiche des Metal sowie teilweise auch Jazz mit einbezog. Was mir allerdings aufgefallen ist, ist dass mancher Besucher mit der doch sehr komplex aufgebauten Musik nicht so viel anfangen konnten und die Show nur Nebensache wurde. Aber alles in allem haben Neon Sunrise Paderborn gezeigt, dass nicht alles in eine einzige Schublade zu stecken ist.


Abgrogation

Durch die kurzfristige Absage von Mandrake wurde auf die Schnelle Abrogation nach Paderborn geholt. Wer sie im Dezember nicht schon in Paderborn gesehen hat, konnte dies nun nachholen. Denn es lohnte sich! Abrogation, eine der wenigen Death Metal Bands die deutsche Texte haben und dazu noch einen unverkennbaren ausgewogenen Sound liefern. Dem Jubel und Headbangen entnehme ich einfach mal: Abrogation können einen vollen Erfolg als Ersatzband auf dem Metal Inferno verbuchen. Spätestens beim „Erlkönig“ war dies klar! (A)

Hexenhammer
Als nächstes standen die Salzkottener von Hexenhammer auf dem Programm. Die Band bretterte ihren teilweise stark an Cannibal Corpse und Deicide erinnernden Death Metal mit einer wahnsinnigen Geschwindigkeit unters Volk. Den Leuten vor der Bühne gefiels und auch der Sänger auf der Bühne, der ständig in Bewegung war hatte sichtlich Spaß inne Backen. Technisch sicherlich sehr gut gespielt, nur hatte ich das Gefühl alles schon mal irgendwo gehört zu haben. Dennoch ein guter Auftritt. (M)

Deadly Sin
Nicht nur in Paderborn ist Deadly Sin ein Name der für eine spassige Show und gute Mucke steht. Nachdem ich vor Jahren einmal ein paar MP3s zugeschickt bekommen hatte stand für mich sofort fest: Deadly Sin können sich sehen lassen. Nachdem ein paar Songs vom Publikum aufgesogen wurden und die Stimmung immer besser wurde ging es richtig ab. An Deadly Sin fasziniert mich, dass sie mit ihren Songs viel bekannter sein könnten aber doch immer wieder an den Grenzen zum Erfolg im regionalen Untergrund stecken bleiben. Aber das macht die Sache wiederum interessant. Denn Deadly Sin haben eindeutig Spaß an dem, was sie auf der Bühne abliefern. Kein Lacher blieb verborgen und auch kleine technische Probleme konnten entspannt beseitigt werden. Leider fehlte mir der Klassiker „Diamonds and Tyrants“ aber man kann ja nicht alles haben! Deadly Sin, ihr seid großartig!!!

Chinchilla sind leider im Schnee stecken geblieben. Dafür konnten die anderen Bands alle etwas länger spielen. Ein Lob an den langen Winter, du Drecksack!

Goddes Of Desire
Die Shows von Goddess Of Desire zählen bekanntlich schon seit langem zu einer der besten aus dem Lande wo der Käse fließt. Ja, ich meine die Niederlande. Wer kennt Goddess Of Desire oder den auf fast jedem Open Air vertretenen Aufnäherstand von Frontmann Count August nicht? Spätestens nachdem ich auf meinem ersten Metalkonzert  Goddess Of Desire gesehen habe, konnte ich sie nicht mehr vergessen. Bei Nachholbedarf konnte dies ja nun auf dem Metal Inferno begutachtet werden. Nach einem etwas längeren Soundcheck wird es dunkel auf der Bühne. Einzelne Flammen erhellen die schön dekorierte Umgebung. Unter Applaus und Jubel betreten die in Fell und Ketten gekleideten Holländer die Bühne. Der erste Song schmettert in die Menge und natürlich darf ein überraschendes Feuerwerk nicht fehlen. Das Publikum ist ersichtlich begeistert. Spätestens bei „Teachers Pet“ konnten die männlichen Besucher ihre Blicke nicht mehr von der Bühne und den sich entkleidenden Damen trennen. Weiter ging es dann mit einer kleinen Feuerspuckeinlage, einem brennenden Pentagramm sowie brennenden Kreuzen. Die Metal-Hymne „Metal Forever“ brachte das Publikum zum kochen und nach ein paar weiteren Songs endete der erste Tag vom Metal Inferno 2006.

Trotz der Absage von Mandrake und dem Ausfall von Chinchilla ein sehr gelungener Start der Paderborner Organisatoren!!! (A)

  

Samstag, 04.03.2006

 
Gutlock
Gutlock hatten das schwere Los gezogen den zweiten Festivaltag zu eröffnen. Wie man sich sicherlich denken kann war es noch verdammt leer, da vermutlich der Großteil der Besucher die auch am Vortag schon mit dabei waren noch im Koma lag und ein weiterer Teil sich zumindest schon mal auf dem Parkplatz zum Warmtrinken eingefunden hatte.
Die kleine Truppe verschlafener Metaller die es doch schon aus den Federn und bis in die Kulturwerkstatt geschafft hatte war allerdings sichtlich schwer zu ein bisschen Bewegung und mehr Nähe zur Bühne zu motivieren. Trotzdem haben Gutlock einen gelungenen Auftritt absolviert und für einen guten Start in den Festivalsamstag gesorgt. Man muss doch sagen dass es wirklich Spaß gemacht hat...sollte man mal im Auge (oder im Ohr) behalten :-).

7 Seals
Mit 7 Seals stieg an diesem Wochenende die erste Dame am Mikrofon auf die Bühne, die gemeinsam mit ihrem Gesangskollegen an diesem frühen Nachmittag doch für erstaunlich gute Stimmung sorgte. Es schien glatt so, als hätte die Band aus Altenbeken entweder ein paar treue Fans mitgebracht oder mit ihrer Musik die verschlafenen Paderborner aus dem Bett geholt, denn mittlerweile war es immerhin auch schon ein bisschen voller geworden.

Nuclear Warfare
Nachdem 7 Seals zur Abwechslung für dieses Wochenende mal verhältnismäßig ruhige Töne angeschlagen hatten gab es mit Nuclear Warfare wieder ne gehörige Ladung Thrash auf die Ohren. Spätestens jetzt waren wohl auch die letzten Besucher vollends wach, denn um möglichst viele Sinne anzusprechen hatten die drei Herren und die Dame außer ihrer wohl klingenden Musik auch noch ein Fässchen wohl schmeckendes Bier im Gepäck und haben damit die Menge überzeugen und mitreißen können. (S)

Steel Preacher
Steel Preacher boten den Anwesenden, nach einigen anfänglichen Problemen mit dem Bass eine waschechte 80er Jahre Metal Show mit allem was dazu gehört. Musikalisch klang die Band meiner Meinung nach wie eine Mischung aus Motörhead, AC/DC und Accept. Von den beiden erstgenannten wurden auch Coverversionen gespielt die durchaus überzeugen konnten.

Delirium Tremens
Nach dieser erholsamen Abwechslung ging's wieder weiter mit einer erneuten Thrashladung. Der Sound von Delirium Tremens erinnert ein wenig an alte Destruction und Kreator. Publikum und Band bangten sich ins Nirwana und zum Schluß gab's für alle noch ne Ladung Bier.

Eternal Reign
Aufgrund des Bandnamens hatte ich schon die Befürchtung, dass es sich bei Eternal Reign abermals um eine Thrash Band handelt, aber weit gefehlt. Eternal Reign spielten melodischen Power Metal, und die Herren konnten beim Publikum durchaus gut punkten, was die Reaktionen am Ende des Auftritts belegten. (M)

Torian
Heimspiel der Paderborner Power Metaller Torian. Nach den ersten paar Songs herrschte  eine seltsame Stimmung auf der Bühne. Sänger Marc war ersichtlich angefressen. Grund schien die verkürzte Spielzeit zu sein. Doch warum musste denn verkürzt werden? Wie ich dann erfahren habe, lag dies wohl an der Band Rebellion, die durch die bis dahin längere Verzögerung im Spielplan trotzdem pünktlich auf die Bühne wollten. Dies wurde auch durch gewisse Gesten vom Torian-Shouter deutlich. Trotz der kurzen Zeit auf der Bühne war in der Kulturwerkstatt eindeutig die Hölle auf Erden und die Stimmung schien überzukochen. Schade nur, dass die vielen Zugaberufe der Fans und der viele viele Jubel nicht erhört werden durfte und Torian sich nach einem kurzen und verdammt energiegeladenen Auftritt von der Masse verabschieden mussten. Jungs, ihr habt verflucht nochmal die Bude gerockt!!! Vielleicht sollte man bekannteren Bands nicht immer alle Wünsche erfüllen sondern denen auch mal innen Arsch treten. Aber alles weitere gehört hier nicht hin...
 
Adorned Brood
Die Organisatoren vom Metal Inferno hatten eindeutig zu leiden. Altar haben abgesagt aber dafür konnte Adorned Brood gebucht werden. Meiner Meinung nach eine gute Sache ;-) Mit neuem Gitarristen, neuer Plattenfirma und einer kommenden neuen Scheibe im Gepäck machten sich Adorned Brood auf den Weg nach Paderborn. Endlich mal ein ganz anderes Bild auf der Bühne. Es wurde mittelalterlich! Sänger/Basser Frost war in weiß gekleidet, Sängerin/Querflöterin Ingeborg Anna im roten Kleid. Sanfte Töne aus der Querflöte schallten durch den Saal, Schlagzeug und Gitarren setzen ein. Der unverwechselbare Gesang bzw. das Gekreische schlug zu und ich wurde von der Musik mitgerissen. Damit hatten viele wohl nicht gerechnet. Denn wie mir erging es noch ein paar weiteren Mit-AdronedBrood-Bangern. Nach den ersten Songs wurde auch bei Adorned Brood darauf hingewiesen, dass sie leider nicht ihr gesamtes Set spielen können (Grund: Rebellion) und sofort wurden Songwünsche laut. „Pride Was My Desire“ hallte es durch den Raum und Adorned Brood belächelte dies. „Dafür ist die Zeit noch nicht gekommen!“ Es wurden ein paar Stücke vom Longplayer „Erdenkraft“ gespielt und dann konnte auch der Wunsch der Zuhörer erfüllt werden. „Pride Was My Desire“ rammte sich in die Gehörgänge und die Menge hatte Spaß. Das letzte Lied verstummte, Zugabewünsche und Jubel und dann passierte das unglaubliche. Adorned Brood durften noch einen Song mehr spielen. Das alt bekannte Trinklied „Was wollt ihr trinken sieben Tage lang“ erklang auf der Querflöte. Doublebase und schnelle Gitarren vereinten sich mit dem kreischenden Frost und als Belohnung für den Applaus wurde eine Kiste leckeres Paderborner verteilt. Eine super Show. Es hat Spaß gemacht. Meine persönlichen Helden des Metal Inferno 2006. Wer Abwechslung sucht kann sie in Adorned Brood finden. Und danke für das Bier!!! (A)

Rebellion
Das Bier war es vermutlich auch, dem wir es zu verdanken hatten, dass trotz der folgenden 45minütigen Umbaupause bis zum Rebellion-Startschuss bei selbigen trotzdem noch recht gute Stimmung herrschte. Schließlich waren einige Besucher ja auch eigens für diese Band angereist und hatten offensichtlich ne Menge Spaß daran. Nun denn, nach ihrem Auftritt packten Rebellion ihre sieben Sachen und ihr zuvor aufgebautes Schlagzeug zusammen (was dann wieder für ne längere Umbaupause sorgte) und räumten die Bühne für die letzte Band des Abends (oder eher schon Morgens ;-)).  

Lay Down Rotten
Mit knapp einer Stunde Verspätung und leider einem verdammt großen Verlust an Zuschauern gingen zuletzt dann auch endlich Lay Down Rotten auf die Bühne. Für diejenigen die bis zum Schluss durchgehalten und geduldig gewartet haben hat es sich dann aber auch sicherlich gelohnt, denn trotz dem mittlerweile nur kleinen Überrest an Besuchern hatten Lay Down Rotten sichtlich Spaß an ihrem Auftritt und sorgten nicht zuletzt bei den Herren von Gutlock (ja, auch die haben bis zum Schluss durchgehalten…und wie ;-)) für Ekstase, Jubelschreie und Zugabeforderungen. (S)

Fazit:Das diesjährige Metal Inferno Festival war durchaus ein voller Erfolg. Fast durchweg gute Bands die für gute Stimmung sorgten. Es hätten nur ein paar mehr Leute da sein können. Bis zum nächsten Mal! (M)


12.03.2006 von Andre, Michael & Silvia