Pentacle, Thee Plague of Gentlemen, Reflection, Seeds of Baphomet, Strongholde & Daevas (24. Februar 2006; Club Pavillon, Wuppertal)
 

Daevas

„Kurz und schmerzlos“ ist wohl die angebrachteste Beschreibung für diesen Auftritt, wobei „kurz“ hier im wörtlichen Sinne zu verstehen ist. Denn nach vier Songs verabschiedeten sich die Mannen um den Frontschreihals bereits wieder von der Bühne. Heftiges Rotieren des Personalkarussells verhinderten einen längeren Auftritt – kein Wunder, wird doch gerade fast die gesamte Belegschaft ausgetauscht. Die Besetzung, die dort zu sehen war, spielte erst seit knapp zwei Wochen zusammen. Natürlich bleiben bei dieser Ausgangslage kleinere Unsicherheiten im Spielgeschehen nicht unbemerkt, allerdings wurden diese gekonnt kompensiert. Dafür meine Hochachtung. Ich freue mich jetzt schon, öfter was von dieser Truppe zu hören, denn der Vokalist vom Dienst hat echt was auf dem Kasten, soweit man das nach dem kurzen Höreindruck beurteilen konnte. Ein Organ, aus dem sämtliche Teufel der Hölle zu kreischen scheinen – ja holla, die Waldfee!
 

Strongholde

Ich muss zugeben, dass ich Schlimmes ahnte, als die Jungs – nein, falsch: die vier Jungs und zwei Mädels die Bühne betraten. Es sei hiermit der gesamten Welt verkündet: Spandex is bäck !!! Mit Grausen dachte ich schon an eine Whitesnake-Revivalband, doch mitnichten: schon nach den ersten Tönen war die Marschrichtung klar. Hier stehen ein paar ziemlich hoffnungsvolle Powermetaller vor uns, die von der ersten Sekunde an Spass machten. Keine Spur von Gejaule a la Hammerfall, im Gegenteil. Hier kann ich nur noch eins sagen: hingehen und zuhören !

Und wer jetzt denkt, dass hier wieder mal so eine 08/15 Powermetalcombo das Bühnenlicht erblickt hat, dem sei gesagt, dass dem definitiv nicht so ist – oder habt ihr vorher schon mal eine Powermetalkapelle mit Violine und Tenorflöte (Dank übrigens an Sally für die diesbezügliche Aufklärung; wieder einmal ist die Metalszene ihrem Bildungsauftrag gerecht geworden...) gesehen? Die Mischung ist durchaus gelungen – schön folkige Elemente wechseln mit astreinen Nackenbrecher-Passagen und epischen Anwandlungen  – und fast kein Klischee wird hier ausgelassen. Aber: Klischees treten kann auch Spass machen, wie Strongholde eindrucksvoll beweisen.

Mir war es vergönnt, nach dem Konzert ein paar Worte mit Florian, dem Frontmann der Truppe und bekennendem Poser vor dem Herrn zu wechseln. Es traten teils erstaunliche, teils lustige Begebenheiten ans Tageslicht; unter anderem die Tatsache, dass auch diese Truppe erst seit relativ kurzer Zeit live in Erscheinung getreten ist (der erste Gig lag erst knapp vier Wochen zurück, laut Florian).

Für mich persönlich steht jedoch jetzt schon fest, dass Strongholde eines der Highlights des Abends waren.

Ein ausführliches Interview mit spandexösen Anekdoten und Personalfragen sowie amtliches Bildmaterial folgen in Kürze auf dieser Seite.

 
Seeds of Baphomet

Mit dieser Kapelle wurden härtere Töne angeschlagen. Schade nur, dass ich nicht alles von den Mannen gesehen habe. Soviel sei allerdings gesagt: Thrash, der nicht lange braucht, um den Funken überspringen zu lassen. Metal zum Abfeiern eben.


Was folgte, war eine etwas längere Umbaupause, in der die komplette Backline ausgetauscht wurde. Dezente Racks und Halfstacks wichen zugunsten von übermannshohen Fullstacks, ebenso wie das Schlagzeug.

Anmerkung am Rande: das Flatterviech hätte sicher seine helle Freude an dem Ampeg-Fullstack des Bassmannes gehabt....

Mit Spannung harrte ich also der Dinge, die da kommen sollten.


Thee Plague of Gentlemen

Auch, wenn reiner Doom nicht unbedingt meine Baustelle ist, muss man doch eines neidlos anerkennen: die Belgier lieferten eine Soundwand, die ihresgleichen sucht. Druck ohne Ende, der dem geneigten Zuhörer ordentlich die Hosenbeine durchfönt. Hier hat Michael sicherlich einige Worte mehr zu verlieren, denn wie gesagt: Geschmäcker sind halt verschieden...ich nutzte also die Zeit für ein Bierchen und ein wenig gepflegte Konversation.


Pentacle

...bildeten den Abschluss in der Reihe. Richtig schöner Black/Thrash, der keine Wünsche offen lässt. Sichtlich gut gelaunt führte der Frontmann durch das Programm und sparte auch nicht mit kleinen Anekdoten. Auch einige schon fast vergessene Klassiker aus den frühen Tagen wurden zu Gehör gebracht.

Wer auf Bands wie Desaster, Deströyer 666 und Co. steht, wird sich auch mit Pentacle anfreunden können.

Nur muss ich zu meiner Schande gestehen, dass meine Aufmerksamkeitskurve zum Schluss hin doch sehr stark abfiel, was sicherlich dem Schlafmangel in der Nacht davor anzulasten ist. Aber für das nächste Mal gelobe ich Besserung – ehrlich!
 

02.03.2006 von Tim


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