Heavy Night in der Wartburg Pt. I
9.4.2005 in der Wartburg in Castrop Rauxel


Durch Zufall sind wir auf dieses Konzert gestossen und haben mal wieder ein paar Perlen aufgetan... Die Wartburg macht den Eindruck eines ehemaligen Ausflugslokals und wurde recht originell hergerichtet: offenes Mauerwerk, Sperrmüll-Sofas und obskure Gemälde an den Wänden. Nur der Veranstaltungssaal sieht sehr unfertig aus: Rohe Wände, keine Deckenkonstruktion und kalt ist es gewesen.
Eine improvisierte Bühne erwartete uns, eine sehr kleine PA, die offensichtlich nur für den Gesang gedacht war, keine nennenswerte Lichtanlage... ein Underground-Konzert, wie es im Buche steht. Vier Bands sollten uns heute erwarten: Positive Strike, Steamrock (die das Konzert auch organisiert haben), Aleatory und Pagan Prophecy, die uns ursprünglich hergezogen hatten. Den Anfang machten recht pünktlich Positive Strike mit wirklich klassischem Oldschool Hardcore. Stimmung vom ersten Moment an sowohl auf als auch vor der Bühne. Positive Strike gaben alles, und wurden entsprechend mit Beifallsbekundungen und gelegentlich sehr heftigen Moshpits belohnt. Glückwunsch, war ein gutes Konzert, auch wenn Hardcore nicht meine Welt ist.
Nach einer mehr oder weniger langen Umbaupause stiegen die Gastgeber auf die Bühne. Steamrock sind eine junge Band, die sich dem Heavy Rock / Metal verschrieben haben. Ihre Vorbilder kann man schnell ausmachen: AC/DC gehören definitiv dazu. Solide Instrumentalarbeit, recht metal-lastige Drums und... Frauengesang. Ines Bürger's Stimme hat mich überrascht und überzeugt. Stellenweise, besonders bei den Balladen, klingt sie wie Janis Joplin auf Alkoholentzug, ihre Stimme wird brüchig, ohne an Kraft zu verlieren und kann sehr rockig werden, wenns drauf ankommt. Die hohen Lagen bereiten ihr anscheinend noch ein paar kleinere Probleme, aber das wird noch, da bin ich sicher. Das AC/DC-Cover “TNT” war klasse, auch wenn es zunächst mal komisch war, TNT mit einer Frauenstimme zu hören. Respekt, das war ein sehr gutes Konzert.

Aleatory enterten die Bühne. Ein wenig unverständlich, wieso sie sich “Metal” nennen... was sie machen, ist purer Punk. Den machen sie aber sehr gut und sicher. Mir wurde der Pogo zu heftig, ich hab mich nach ein paar Stücken vor die Eingangstür des Saals zurückgezogen und dem Konzert von hier zugehört. Leider wurde der Saal im Verlauf des Konzerts immer leerer, was aber nichts mit der Band zu tun hatte sondern wahrscheinlich eher am sehr niedrigen Durchschnittsalter des Publikums lag, das so nach und nach heimwärts zog. Aber auch Aleatory haben ein gutes Konzert gespielt!

Den Abschluss machten die Pagan / Black Metaller von Pagan Prophecy, deren Demo und vor allem das hoffentlich nicht so ernst gemeinte “Satan Superstar” im Ruhrgebiet so ein bißchen Kultstatus haben. Pagan Prophecy spielten ihren sehr technischen Black Metal sehr gut... der sehr sichere Growler machte seinen Job sehr gut, die Gitarren waren schnell und genau, der Bass sehr abwechslungsreich... was ich noch nicht oft bei BM-Bands erlebt habe. Leider war der Sound nicht so gut, dass man die Texte hätte verstehen können, so dass ich zu diesem -gerade bei Pagan-und BM-Bands für mich sehr wichtigen- Kapitel nichts sagen kann. Aber das Konzert war sehr gut, die Nackenmuskeln wurden gut beansprucht und es gab auch ordentlich was auf die Ohren und Augen, gerade als Musiker gabs da für mich einiges spannende zu sehen.

Insgesamt ein sehr gutes Konzert in aussergewöhnlicher Atmosphäre. Über 200 zahlende Zuschauer haben es honoriert. An die Bands einen Glückwunsch und von mir der Tip: Wenn in der Wartburg mal wieder was los ist, schauts Euch an, der Laden ist einen Besuch wert.

 

05.11.2005 von Tim/Jochen

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