Halloween im Kultopia Hagen (31.10.05)
 

Halloween im Kultopia. Es wird mir schwer fallen, über dieses Konzert zu schreiben, ich war viel zu begeistert, um noch objektiv etwas dazu sagen zu können.
 
Sensationelle 200 Menschen fanden den Weg nach Hagen, und dass, obwohl an einem solchen Abend in ganz NRW und vor allem natürlich im Ruhrgebiet sehr viel los ist. Das Kultopia empfing uns in gewohnt gemischter Atmosphäre aus Schul-Gängen und gemütlicher Kneipe, der Saal war schon kurz nach Öffnen der Türen ziemlich gefüllt. Nach einigen Begrüßungen und ein bisschen „Wie geht's denn so“ enterten Vega die Bühne... und damit für mich der Höhepunkt des abends gleich zu Beginn. Da die Band erst ihren 2. Auftritt bestritt, will ich sie kurz vorstellen:

Lasse Hanßen (kb) ist so eine Art musikalisches Chamäleon mit Growl-Stimme und sanften, chorigen Keyboard-Teppichen, aber auch eher Ambient-Riffs in den Bässen. Er legt eine sehr atmosphärische Basis für Vegas Musik.

Stefan Domdey (git) schafft den Spagat, an dem so manche Trio-Besetzung scheitert, nämlich satte, mitreißende Rhythmus-Gitarre und technisch gute Lead-Parts zu vereinigen. Konzentriert und ruhig sorgt er für mächtig Schub und schöne Melodien.

Till Minte (dr) unterlegt das ganze mit sehr abwechslungsreichen, manchmal proggigen Drums und legt sich dabei ordentlich ins Zeug.
 
Sebastian Roeder (b) sorgt für tiefe Bässe, groovige Walks und souveränen Halt in den manchmal etwas vertrackten Breaks.

Annika Haupt (voc) kennt vielleicht der eine oder andere noch von Eden's Crying. Ihre Stimme hat sich in den letzten Monaten deutlich entwickelt, sie ist weg vom reinen Sopran zu einer sehr gelungenen Mischung aus Rockröhre, laszivem Flüstern und Sopran gekommen, sehr sicher ist sie geworden in der Wahl der Mittel, aber auch in der musikalischen Umsetzung ihrer Ideen.

 
Vega spielten ein sehr abwechslungsreiches Set, in dem metal-lastige, Nightwish-ähnliche Passagen mit sehr rockigen, progressiven Passagen abwechseln. Mein persönliches Highlight war „Salve Me“, eine Elektro-Ballade, die Annika und Lasse alleine vortrugen und die eine solche Gänsehautatmosphäre erzeugte, dass ich mich näher an die Bühne bewegen musste, um nicht im Durchzug zu frieren.
 

Vegas Musik zu beschreiben ist nicht leicht. Gothic Metal trifft es nicht so wirklich, aber auch andere Beschreibungen scheitern. Das Spektrum reicht vom metal-lastigen „Misfit“ über sehr ruhige Rockballaden bis zum oben genannten elektronischen „Salve Me“, das sich recht nahtlos in die „Elektro“- Branche einreihen lässt. Vega ist definitiv ein Geheimtipp, den man sich auf gar keinen Fall entgehen lassen darf! Hoffen wir, dass sie bald jemanden finden, der sie zu einem Demo oder gar einer CD-Produktion bringt.


Nach einer rasanten Zugabe enterten nach der unausweichlichen Umbaupause The Flaw die Bühne. Offenbar fehlt ihnen das Keyboard, die Keyboard-Parts kamen vom Band. Ich hatte leider keine Gelegenheit mehr, mit The Flaw zu reden, also kann ich dazu nichts sagen, denke aber, dass sich in verschiedenen Online-Magazinen dazu etwas finden lässt. Wer The Flaw als Support von Haggard in Berlin oder Essen gesehen hat (oder sie auf einem ihrer sonstigen zahlreichen Konzerte erleben konnte), der weiss, dass Sängerin Alexandra Leu eine sehr kraftvolle, sichere Stimme hat und den vorwärts-treibenden Grooves der Band oft den ruhigen Pol gegenüberstellt, was ihr auch gestern wieder hervorragend gelang, obwohl ich sie anfangs etwas unsicher empfand. Aber ein bisschen Nervosität sollte man niemandem ankreiden. Bassist Massimo Sarti und Schlagwerker Janis Bakine trieben ordentlich voran, Massimo ist ein großer Poser und bringt viel Bewegung auf die Bühne. Gitarrist Lars Schlüter macht souveräne Rhythmus-Arbeit und bringt seine Soli sehr sicher und kreativ rüber. Flaws Musik ist wahrscheinlich am besten mit „Gothic Metal“ beschrieben, obwohl sich auch hier durchaus Rock-Elemente finden lassen. Ein rundum gelungenes Konzert. Ich werde mir The Flaw sicher noch einmal anhören, obwohl ich sie in den letzten 3 Wochen bereits 2 mal gehört habe.


Die Umbaupause zu Oneiros viel erwartungsgemäß etwas länger aus, da die 8 Frauen und Männer immer etwas mehr Aufwand haben, um ihre Instrumente und das Monitoring so richtig in den Griff zu bekommen, aber dann ging es richtig los. Growler Bjöen Luig war voll in seinem Element, stützte sich bedrohlich auf die Monitore und schrie was das Zeug hielt. Sängerin Kristina Giepen war dank hervorragender Technik sehr gut zu hören (was man leider nicht von allen Oneiros-Gigs sagen kann) und klingt sehr sicher und gefühlvoll. Die beiden Gitarristen Alex Errenst und Peter Ostaszewski haben wie gewohnt alle Register gezogen und auch die schnellsten Blasts noch sehr genau und sicher gespielt. Von Bassist Daniel Bauer war wieder mal fast nur Haar und Schlaghand zu sehen, er unterstützte das ganze mit sicheren Bässen, trotz einiger technischer Probleme zu Beginn des Gigs. Schlagzeuger Sascha Schiller wird bei jedem Auftritt, den ich von Oneiros höre ein bisschen besser. Gestern wirkte er fast verspielt und progressiv, aber seine Double Bass ist und die Blasts sind immer genau und treibend. Wahrscheinlich liegts am alter, ähm, sorry, Sascha, an der Reife.
 

Oneiros spielten einen Querschnitt durch ihre Geschichte, ein Stück ihres ersten Demos, natürlich Material aus der CD „insania – examinis – mortis“ und einige neue Stücke, die eine deutliche Weiterentwicklung erkennen lassen. Viel epischer, breiter angelegt sind die Kompositionen, stilistisch vielfältiger und technisch ausgereifter. Ein sehr Death-Metal – Lastiges Epos, dessen Titel ich nicht mehr erinnere (Björn, hilf mir mal!) hat mir ganz ausgezeichnet gefallen. Obwohl hier einige der sehr krassen Tempo-Wechsel ein wenig holprig wirkten liess das Stück erkennen, wo es hingeht. Weiter so, Leute, das ist super!
 

Nach Oneiros tat sich einiges auf der Bühne. Das Schlagzeug wurde größer umgebaut und Fackeln an den Rändern der Bühne aufgebaut und dann... betraten Leichenwetter die Bretter. Das Publikum ist von den ersten Takten an begeistert sowohl von der Show als auch von der Musik und den lyrischen Texten, die Sänger Numen mit prägnanter Stimme sehr gut rüberbringt. Die Band überzeugt durch sehr durchsichtige, sehr mitreißende Arrangements, natürlich durch die sehr einprägsame und charakteristische Stimme und eine starke Bühnenpräsenz. Die Masken der Musiker fand ich persönlich zwar etwas übertrieben, aber... sie störten auch nicht wirklich das Gesamtbild. Sehr professionell, streckenweise sehr hart geht's zur Sache und macht viel Spaß. Ich werde mir Leichenwetter sicherlich auch noch einmal anhören, leider war ich gestern ziemlich müde, so dass ich nicht mit der gebotenen Konzentration folgen konnte. Beim nächsten Mal gelobe ich Besserung!
 

Insgesamt  war das Konzert hervorragend organisiert (ich denke, Vega und The Flaw haben es auf die Beine gestellt, Glückwunsch zu so viel Professionalität) und mit hervorragenden Bands bestückt. Das schreit nach Wiederholung!

 

03.11.2005 von Jochen


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