FFF, Less Than Jake, Dropkick Murphys, 27.04.2006, Schlachthof Wiesbaden

Mal was anderes...ein Punk-Konzert. Das hatte ich schon lang nicht mehr, hab mich aber schnell und leicht überreden lassen, da ich die Dropkick Murphys sehr witzig finde.
Der Schlachthof ist die optimale Kulisse für solche Konzerte: Industrie-Charme, eine mittelgroße Halle (1800 Leute) und eine relativ gute Akustik. Nach kurzem Warten am Security konnten wir auch schon rein, und da wurde schnell klar, dass nix wird mit Pogen heute, es sei denn, wir würden die Football-Ausrüstung tragen. Der Schlachthof war trotz der frühen Stunde gut gefüllt und das Areal vor der Bühne drängelte ziemlich heftig. Also zogen wir uns ins hintere Drittel zurück, auf die kleine Bühne, was auch kleineren Menschen wie Fylgja gute Sicht bescherte.
Recht pünktlich betraten FFF die Bühne und spielten bei anfänglich etwas matschigem Sound ein knackickes Set aus gutem altem 80er Punk, genau und gut. Die Menge vor der Bühne wogte stellenweise recht heftig, und auch die ersten Hüpfer konnte man sehen. Ein guter Gig, obwohl die Anheizer-Position gerade bei diesem Konzert wahrscheinlich recht undankbar war. Zumal durch die Deckenfenster noch immer Frühlings-Licht in den Schlachthof drang.
Nach einer recht langen Umbaupause dann Less Than Jake, auf die ich schon mit Spannung gewartet hatte. Ihr Ska-Punk mit Bläsern kam sehr gut an, das Set war dynamisch und gut, sehr starke up-tempo-Nummern und eher Ska-lastige Stücke wechselten sich gut ab und ich konnte schön wippen. Hat sehr viel Spass gemacht, und auch die Soundprobleme mit Posaune und Saxophon waren nach 3 Stücken erledigt.
Nach einer wieder ziemlich langen Umbaupause wurde es dann dunkel, eine Ballade drang als Intro durch die Lautsprecher, die "Murphys-Murphys" - Sprechchöre wurden lauter und dann waren sie endlich da: die irischsten aller Amerikaner, mit Dudelsack, Akkordeon, Tin-Whistle und Punk-Gitarren heizten sie ordentlich ein. Schon bei den ersten Takten flogen die ersten Bierbecher, gegen Ende des ersten Stücks waren die ersten Crowd-Surfer zu sehen und die Menge vor der Bühne war ständig in Bewegung. "The Wild Rover" an dritter Stelle im Set war zwar meiner Meinung nach recht gewagt, aber die Menge dankte es mit fleissigem Mitsingen.
Spätestens jetzt war das Eis gebrochen, obwohl der Sound eher dürftig war. Zu viele Probleme mit den akustischen Instrumenten, das Schlagzeug zu leise, schrille Höhen... aber das konnte den Spaß nicht wirklich mindern. Ein sehr atemloses Set haben die Dropkick Murphys gespielt, kaum Ansagen, der Schlussakkord eines Stückes ging nahtlos in das Einzählen des nächsten über. Nach etwa 70 Minuten waren fast 2 Alben gespielt und es kam, was kommen musste: Sänger Al Barr forderte die Mädchen auf, auf die Bühne zu kommen. Nach der Hälfte des nächsten Stücks war die Bühne voll, die Musiker hatten kaum noch Platz und die Frauen, die es geschafft hatten, tanzten auf der Bühne herum. Eine sehr nette Aktion, die auch von der einen oder anderen ausgenutzt wurde, um mal ein wenig Körperkontakt mit den Musikern aufzunehmen :-)
In der Zwischenzeit war die Luft im Schlachthof quasi nicht mehr vorhanden, so dass wir uns vor die Tür verzogen und es auch nicht mehr über uns brachten, noch einmal in den Saal zurück zu gehen. Ein offenes Tor hätte da Wunder gewirkt, aber wahrscheinlich war der Lärm aus der Halle einfach zu groß.
Wie auch immer, trotz des erstickten Endes ein gelungenes Konzert, gute Bands und eine tolle Atmosphäre. Wer schon mal überlegt hat, die Dropkick Murphys auf der aktuellen Tour zu sehen und sich nicht entscheiden konnte bisher: Geht hin, es lohnt sich auf jeden Fall!

28.04.2006 von Jochen

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