Dark Gothic Night, 19.2.2005 Lüdenscheid, Haus der Jugend

Anreise

Ich muss diesen Bericht mal etwas anders anfangen als sonst... Die Reise nach Lüdenscheid fing in Herne damit an, dass der ?übliche Dauerregen plötzlich etwas fester wurde. In Hagen hatte die A45 dann eine weisse Fahrbahndecke, und an der Abfahrt Lüdenscheid konnte mein Auto dann zum ersten Mal beweisen, was eine Fahrwerk-Stabilisierung ist...

Daniel neben mir las krampfhaft die Wegbeschreibung und lotste mich sehr sicher durch Lüdenscheid, bis da plötzlich Ampeln waren, wo keine sein sollten und Strassen nicht existierten. Das führte zu einigen´recht artistischen Stunts und waghalsigen Wendemanövern, bis wir in der Stadt endlich jemanden fanden der uns sagen konnte, wo wir lang müssen. Bei der Gelegenheit haben wir dann auch noch einen recht schwarz aussehenden Gesellen gefunden, der auch nicht wusste wo es lang ging und auf die Wegbeschreibung reingefallen war. Nun waren wir also zu Viert im Auto, da konnte nix mehr schiefgehen.

Das Haus der Jugend empfing uns mit typischem Jugendheim-Charme und Halogen-Beleuchtung. Wir waren auch nicht zu spät, da Oneiros wie immer grössere Soundcheck-Aktionen brauchten.

Bei der ersten Orientierung fiel sofort die improvisierte Bühne´auf. Die Anlage sah sehr zusammengewürfelt aus, auf der Bühne lagen viele recht fragil aussehende Kabel herum und das ganze versprach, laut und schrill zu werden.

Ein kurzes Gespräch mit Steffi von Sonorous Din zeigte, dass? das Line Up krankheitsbedingt kaputtgegangen ist: The Flaw haben wegen akuter Grippe abgesagt, Ersatz wurde sehr kurzfristig in Evenless gefunden, so dass also Oneiros, Evenless und Sonorous Din spielen sollten.

 Oneiros

Das Licht ging aus... und nicht wieder an. Es gab nämlich ausser ein paar Schwarzlicht-Röhren und zwei oder drei kleinen Party-Scheinwerfern nichts an Licht auf der Bühne.

Schon die ersten paar Takte von Stigmata zeigten, was Oneiros heute werden sollten: Eine unglaubliche Spielfreude und lockere Stimmung auf der Bühne. Schlagzeuger Sascha wuchs  über sich hinaus, was die Genauigkeit angeht und Sängerin Kristina und Frontschwein Björn schwangen die Haare was das Zeug hielt. Immer wieder faszinierend: Basser Daniel, von dem man über das ganze Konzert nur den Basshals und die Haare sah...

Die Setlist hatte einige neue Stücke, die mir sehr gut gefallen haben. Ohne ihrem Stil untreu zu werden arbeiten Oneiros moderne Elemente in ihre Musik ein, Björns Gröhlen und Kristinas Gesang verweben sich immer mehr zu einem harmonischen, sehr angenehm anzuhörenden Konglomerat. Hits bei dem Gig waren für mich wie immer Stigmata und Crystal Piles Of Mind, aber das neue Stück From Hell hätte gute Chancen, der nächste Renner zu werden. Die wirklich gute Mischung aus Black- und Death-Elementen mit Gothic und Frauengesang zieht immer wieder...  

Setlist Oneiros:

Stigmata
Creeping Phobia
World Of Glass
Crystal Piles Of Mind
Disclose My Abyss
Nocturnal Requiem
Phoenix
From Hell
Life Is Not Eternal

Evenless

Der Ersatz für The Flaw war nun wirklich kein Ersatz. Obwohl die Musik nicht wirklich zum Thema des Abends passte, haben Evenless vom ersten Akkord an ?überzeugt. Rotziger Rock 'n' Roll, leicht frickelige, Porcupine-Tree-ähnliche Passagen und manchmal blitzte auch Deep Purple durch. Die beiden Sänger / Gitarristen Martin und Sebastian haben ihre teils zweistimmigen Gesangs-Parts sehr sicher im Griff, Bassist Lars und Schlagzeuger Ulf unterstützen das mit sehr sicheren und nie langweiligen Grooves... das Publikum dankte es mit wildem Tanz und auch ein Stage-Diver wurde gesichtet.

Die Arnsberger sind als Evenless seit 1999 zusammen und haben 2003 die selbstproduzierte CD "Songs From The Basement" veröffentlicht. Sie schaffen es, mit sehr frischen Riffs und sehr abwechslungsreichen Melodien so was wie eine anspruchsvolle Party-Atmosphäre zu schaffen, die mich stark an Gluecifer-Konzerte ohne die plakative Obszönität erinnert. Vielen Dank, Jungs, Euer Gig hat mir unglaublich gut gefallen!

Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass? Evenless erst am Nachmittag des Konzerts angerufen wurden und spontan zugesagt haben... obwohl sie alle noch recht angeschlagen von der Party am Freitag waren, was zumindest nach dem Konzert nicht zu ?übersehen war. Respekt!

Setlist Evenless:

Rain
All Things
Nowhere
Burn My Soul
Passion Play
Sound Of Silence
Peace Of Mind
Frozen Tears
Strange Tomorrow
Hatesong
Growing Colder
Momentary Lapse


Sonorous Din

Die Headliner des Abends wirkten sichtlich müde. Am Abend zuvor spielte Sonorous Din beim Emergenza in Dortmund und ist eine Runde weitergekommen. Herzlichen Glückwunsch!

Die Band ist auf verschiedene Arten bemerkenswert. Zum einen spielen sie eine Variante des Mittelalter-Metal, die sehr viele Einflüsse verarbeitet und weiterentwickelt, zum anderen ist sie durch ihre Besetzung sehr auffällig. Das Altersspektrum der 7 Musiker reicht von der 15jährigen Sängerin Jamina bis in die 30er. Das ist sicher nicht immer leicht...

SDs Musik nutzt die Mittel des Mittelalter-Metal: Stampfende, treibende ostinate Riffs, Violinen-und Keyboard-Melodien und eine Kombination aus leicht schreiendem Männergesang und einer klaren Frauenstimme. Bassistin Steffi und Schlagwerker Mario legen ein sauberes, tiefes und treibendes Fundament. Keyboarderin Heike und Violinistin Nina waren wegen des undurchsichtigen Sounds vor der Bühne leider nicht immer auseinanderzuhalten, aber die Violine war an den Solostellen sehr sicher und resolut. ?Über die Gitarristen Frank und Alex muss man nicht viel sagen, sie machten ihren Job sehr gut. Einzig Frank, der eine sehr stylische ESP-Kunststoff-Gitarre spielte, könnte seinen Sound mal ein wenig ?berarbeiten. Vielleicht lags an der Saal-Anlage, aber die Gitarre hat ziemlich nervtötend gesägt.

Ein Thema für sich ist der Gesang. Wie bereits erwähnt, Sängerin Jamina ist erst 15. Sie hat eine erstaunlich starke, durchsetzungsfähige Stimme, der es manchmal an der notwendigen Sicherheit fehlt. Aber das ist - da waren wir Besucher uns einig - eine Frage des Alters und der stimmlichen Reife. Sänger Frank ist sehr sicher, was bei seiner Erfahrung nicht wundert. Ich bin nicht immer begeistert von dem leicht schreienden Gesang, aber es passt an vielen Stellen sehr gut zu den Songs. 

Leider war von den deutschen Texten dank der schlechten Anlage nichts zu verstehen... darauf sollte man in Zukunft mehr Wert legen. Wenn schon deutsche Texte und klarer Gesang, dann sollte man das auchverstehen können.

Der Gesang ist schuld, dass? ich die metal-lastigen Passagen den eher ruhigen, mittelalterlich geprägten vorziehe. In den leiseren Phasen der Songs wird der Reife-Unterschied der Stimmen sehr deutlich und das ganze wirkt etwas unsicher. Was der Qualität der Songs ?überhaupt keinen Abbruch tut.  SD's Gig war sehr gut, abwechslungsreich und leider auch ein bisschen laut. Wie bereits gesagt, die Lead-Gitarre hat ein bisschen zu heftig gesägt, so dass? Violine und Keyboard leicht untergingen. Insgesamt muss ich sagen: ein sehr gutes Konzert von einer guten, sehr vielversprechenden Band in einer schwierigen Nische des Metal.

 

Setlist Sonorous Din:

Schatten
Lusus Naturae
Zwischen Leben und Tod
Gedanken
Liebeslied
Assasini
Per Aspera
Sonorous Din
Rituale
Angel Of Death
Sag mir doch

Abreise

Die Heimfahrt war vor allem wegen des Wetters mal wieder ein Abenteuer. Zum Glück hatte es aufgehört zu schneien, aber ein freundlicher Schneepflug hatte unsere Parklücke mit einem Haufen Schnee versiegelt, so dass? wir erst mal ein wenig fegen durften und Daniel und unser Zufalls-Mitfahrer sich auf die Stossstange stellen mussten, damit ich das Auto rausbugsieren konnte.

Kurz danach stellte sich raus, dass? schlechte Wegbeschreibungen für Lüdenscheid wohl ?üblich sind: Unser Mitfahrer konnte auf Grund der Wegbeschreibung die Bushaltestelle für seinen Nachtbus nun ?überhaupt nicht finden. Ich hoffe, er musste nicht noch allzu lang suchen,nachdem wir ihn an der Kreuzung zur Autobahn in die Schneenacht entlassen hatten...

 

Links:
http://www.oneiros.info
http://www.evenless.de

http://www.sonorousdin.de

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