Interview mit  Path of Golconda

Seit etwas über einem Jahr sind Path of Golconda nun als Portalband bei uns vertreten. Ein Jahr ist es auch her, dass wir das erste Interview mit Roman und Manuel geführt haben. Seitdem hat sich einiges getan. Grund genug für uns, mal wieder nachzufragen, was es Neues gibt. Roman und Manuel erzählen von ihrem neuen Musikerkollegen Andrew, den Reaktionen auf ihr Album "The Threshold Diaries", Bon Jovi-Coversongs und vieles mehr. Viel Spaß beim Lesen!

In letzter Zeit hat sich einiges bei euch getan. Das aktuellste Ereignis ist natürlich der Ausstieg eures langjährigen Gitarristen Christ und daraufhin der Einstieg von Andrew. Wie kam es dazu und warum gerade Andrew?

Roman: Dass Christ gehen würde, hatte sich eigentlich schon lange abgezeichnet. Er hatte und hat zwar die Band geliebt, aber konnte die nötige Zeit schlicht nicht aufbringen. Ich verstehe, wie schwierig es ist, sich da zu entscheiden: Obwohl die Band eine tolle Sache und eine Art Lebensmittelpunkt ist, besteht die meiste Zeit aus Warten – auf Ideen, auf Showbeginne und weitere Absagen von Labels. Da ist man manchmal etwas ausgebrannt. Christ hat dadurch dann einfach zu wenig Output geliefert. Es war für alle traurig, denn wir sind schließlich eine große (wenngleich hässliche) Familie, aber wir müssen eben auch manchmal hart sein. Andrew kannten wir, weil wir mit ihm im Gespräch waren wegen eines Tourersatzes. Wir hatten ursprünglich geplant, Ende des Jahres zu touren und Christ wusste, dass er diese Zeit nicht aufbringen können würde. Je mehr wir die Dinge durchgeplant haben, umso logischer erschien es, mit Andrew weiterzumachen. Man merkt jetzt auch deutlich, dass dieses frische Blut uns gut tut und aus einer Art Lethargie geholt hat. Nichtsdestoweniger sind wir Christ sehr dankbar für die Zeit, die wir zusammen hatten. Manchmal muss man eben diese Entscheidungen fällen, auch, wenn man am liebsten nicht darüber nachdenken würde, dass solche Opfer gebracht werden müssen…

Erzählt mal ein bißchen über Andrew. Wer ist er, woher kennt ihr euch, was hat er vorher musikalisch gemacht etc.?

Manuel: Andrew haben wir, wenn ich mich richtig erinnere, bei einem Auftritt mit seiner Band Thy Eternity zum ersten Mal getroffen. Das war zu der Zeit, als wir mit den Aufnahmen zu Destination:Downfall beschäftigt waren. Dann haben wir uns regelmäßig auf Konzerten und Festivals getroffen, haben zusammen getrunken und es stellte sich schnell heraus, dass Andrew ein Typ ist, mit dem man Pferde und noch weitaus größere Tiere stehlen gehen kann. Andrew erfüllt alle Kriterien, die uns menschlich und musikalisch wichtig sind: Er ist begeisterungsfähig, tiefsinnig und willensstark, dazu übelst trinkfest und nicht zuletzt ein hervorragender Gitarrist!

Euren ersten Auftritt mit Andrew hattet ihr ja auf dem Eisenwahn-Festival in Obersinn. Wie war's?

Roman: Es war großartig! Andrew war so aufgeregt…! Noch während des Intros hat er, glaube ich, 2 Zigaretten auf einmal geraucht. Die Leute haben ihm dann aber wirklich einen herzlichen Empfang beschert – es wurde mit jedem Song voller vor der Bühne und es gab einen extra Applaus für Andrew… Du kannst Dir vorstellen, dass das restliche Festival völlig euphorisiert und überalkoholisiert bestritten wurde, so dass selbst die, die nicht bei der Show waren, inzwischen wissen, wer Andrew ist… und, dass niemand besser Bon Jovi- Songs singen kann als er, haha!

Nach eurer Rückkehr liest man in eurem Forum ständig was von Bon Jovi-Coversongs. Was hat's denn damit auf sich? Wollt ihr euch nun musikalisch umorientieren? ;-)

Manuel: Ja, so ist es, haha! Wir haben in jüngster Vergangenheit beim feiern immer deutlicher festgestellt, dass die Bon Jovi-Refrains alle Anwesenden zwangsläufig zum mitgröhlen animieren. Wir haben daraufhin von unserer „Tom Jones Cover Band“-Idee als Side-Projekt Abstand genommen und   überlegt, einige Bon Jovi-Songs ins Set mit aufzunehmen. Favorit ist derzeit „Living on a prayer“, wobei auch noch „Bad Medicine“ und „You give love a bad name“ im Rennen sind.

Beim letzten Interview hattet ihr gerade die "The Threshold Diaries" veröffentlicht. Wie waren die Reaktionen auf das Album, auch verglichen mit dem Vorgänger "Destination: Downfall"?

Roman: Es ist schon heftig: Das Interesse ist weiter gestiegen. Inzwischen treffen wir überall, wo wir spielen, Leute, die unsere Shirts tragen oder die Texte der Songs singen können und so weiter… Wir werden aber genauso weiterhin von Labels ignoriert. Solange wir aber diese Reaktionen von Fans und anderen Bands bekommen, kann ich damit leben. Wir haben ja jetzt mit dem Songwriting für die neue Platte angefangen und haben immer diese Reaktionen im Hinterkopf. Dafür, dass wir – wenn schon nicht von einem Label – diesen Rückhalt von den ganzen Fans bekommen, werden wir uns bedanken, in dem wir doppelt Gas geben, gute Songs zu schreiben…

Damals habt ihr auch erzählt, dass "Devour Machine" früher bei Auftritten oft vom Publikum gefordert wurde. Heute spielt ihr den Song ja nicht mehr so oft (oder zumindest hatte ich das Vergnügen bisher noch nicht). Welcher Song ist nun der "Publikumsliebling" und deckt sich das mit euren eigenen Live-Favoriten?

Manuel: „Devour Machine“ ist quasi einer der ersten in der Bandgeschichte und wurde daher sehr oft gespielt, allerdings zuletzt nicht mehr, wie du treffend bemerkt hast. Wir haben uns erst kürzlich für eines der kommenden Konzerte fest vorgenommen, „Devour Machine“ mal wieder zu spielen.
Zu der Favoriten-Frage: Hm, ich weiss nicht recht. Sehr intensiv empfinde ich auf der Bühne die Reaktion auf Songs wie z.B. „Promises in stone & fire“, „Petriachor“, „Between god and gutter“ und „A cannibal crusade“. 


Ursprünglich für die DVD geplant, habt ihr im vergangenen Jahr ein (übrigens sehr gelungenes) Video zu "Foul Winds Through Utopia" aufgenommen. Warum hat's gerade diesen Song erwischt? Wie war der Videodreh?

Roman: Danke für das Lob! Dass es diesen Song erwischt hat, lag schlicht daran, dass wir bei dem Stück sofort die meisten Bilder im Kopf hatten; als wir aus dem Studio kamen, wusste ich bereits, dass wir da irgendwas Visuelles zu bräuchten. Außerdem hatte ich Angst, dass der Track etwas untergeht… ich liebe „Foul Winds through Utopia“ aber total und konnte mit dieser Angst einfach nicht leben, haha! Der Dreh war extrem cool. Der Produzent hatte zuvor nur mit Hardcore- Bands gearbeitet und kannte eigentlich nur, dass die Bands wollen, dass man sie filmt, während sie gestikulierend durch eine Bronx-mäßige Requisite laufen. Bei unserem ersten Treffen hatte ich dann ein mehrseitiges Skript dabei, das die verschiedenen Ebenen und Metaphern erklärt, die vorkommen sollen; inklusive irgendwelcher literarischen Belege. Beim zweiten Treffen dann hab ich ihm erzählt, wo ich überall Maden und Blut und so was brauche – ich glaube, er dachte spätestens dann, dass wir nicht ganz klar im Kopf sind! Der Dreh selbst hat aber extrem viel Spaß gemacht und ich hoffe inständig, dass wir schon bald das nächste Video drehen können!

Was ich dich schon immer mal fragen wollte...du hast die Maden im Video nicht ernsthaft in den Mund genommen...die waren doch nicht echt, oder??

Roman: Oh doch, selbstverständlich. Es wäre vermutlich aufwendiger gewesen, die Maden computeranmiert anschließend einzufügen - also: Augen zu und durch! Damit es weniger unerträglich wird, war man so freundlich, das Getier in einen Cappuccino- Becher zu packen, und dann hieß es halt, einen ordentlichen Schluck zu nehmen. Es gibt übrigens auch eine extended version davon, wie ich danach erstmal kotzen muss, was dem Ganzen eine gewisse Authentizität verleiht... aber diese Version ist noch geheim, haha! Was mir allerdings wichtig ist: Wir haben darauf geachtet, dass alles Maden wohlauf sind! Nach dem Dreh haben wir sie liebevoll in die Freiheit entlassen - nenn uns geschmacklose, abgedrehte Gossenkünstler, aber keine Tierquäler!

Das Video kann man sich ja schon eine Weile auf eurer Homepage ansehen und herunterladen. Aber was ist mit der eigentlich für Anfang 2007 geplanten DVD?


Roman: Oh Gott, hör auf damit! Da hab ich wohl wirklich den Mund etwas zu voll genommen! Ich hoffe immer noch, dass wir das Teil so schnell wie möglich raus bringen, aber es kommt halt ständig etwas dazwischen – zum Beispiel, dass Andrew jetzt an Bord ist! Wir mussten zu aller erst die Songs durchgehen, haben jetzt natürlich auch Bock, neues Material zu schreiben – und die Tapes bleiben dann halt liegen. Außerdem müssen wir jetzt erstmal erniedrigendes Zeug von Andrew filmen – sonst wäre das ungerecht gegenüber den anderen Bandmitgliedern, wenn nur sie in der Dokumentation gedemütigt würden, haha! Aber wenn ich da so ans Eisenwahn- Festival denke, bin ich guter Dinge, dass wir schon bald genug dummes Zeug von Andrew zusammen haben werden…!

Seit der Veröffentlichung von "The Threshold Diaries" habt ihr ja auch ein paar Gigs im Ausland gespielt. Hat euch da die gleiche Begeisterung empfangen wie hier in Deutschland?

Manuel: Oh ja, gerade die Österreicher waren echt verdammt heftig, wir haben uns dort saumäßig wohl gefühlt und dort eine unserer besten Shows erlebt. Es war ein absolut geniales Publikum und tolle Gastgeber. In der Schweiz war es ebenfalls toll, auch wenn uns dort ein paar Rechtsgesinnte mit ihrer Anwesenheit auf den Sack gegangen sind.

Wenn ihr ein für euch perfektes Festival zusammenstellen könntet,  wo (welches Land/welche Stadt/welches Festival) würdet ihr spielen wollen und welche Bands wären dabei?

Manuel: Boah, also ich würde ein Festival mit einer Bühne am Strand haben wollen, vielleicht in Holland oder so. An den Strand ist dann die übliche Camping-Wiese angeschlossen. Zocken lassen würde ich da wohl Bands wie Bon Jovi, Slayer, Fear Factory, Testament, Misery Index, wennse lieb fragen Metallica, Hypocrisy, Type-O-Negative, Carcass, Cradle of Filth, Amorphis, Six feet under und für später zum Abschießen Turbonegro und J.B.O., oder so...

Und zuletzt: Was macht das nächste Album? Wie weit seid ihr musikalisch, textlich und in der Gestaltung des Artworks? Und wird's wieder zu Andy Classen ins Stage One-Studio gehen?

Roman: Ich bin so schrecklich ungeduldig! Wir haben mit dem Songwriting, wie gesagt, angefangen, aber ich kann es bereits jetzt nicht mehr abwarten, alles zusammen zu fügen und am besten auf der Stelle ins Studio zu gehen. Ich kann mir vorstellen, dass die Anderen davon etwas genervt sind, aber mir sind diesmal die Story und das Konzept dahinter extrem wichtig. Ich will nicht zuviel verraten, aber es wird eine Art Märchen für Erwachsene; sehr dunkel und sehr abgefahren, und jeden Tag kommen uns neue Ideen! Andrew hat sich da ebenfalls exzellent eingearbeitet; es ist toll, dass er sofort beim Songwriting eingestiegen ist und wir völlig auf einer Wellenlänge sind. Außerdem führe ich bereits Gespräche mit einem außergewöhnlichen Künstler, der das Theatralische, Mystische visuell umsetzen soll, damit wir auch beim Artwork noch einmal etwas besser werden. Ich denke schon, dass wir wieder zu Andy ins Stage One gehen werden – warum auch nicht? Bisher waren wir mehr als zufrieden, so dass ich hoffe, er kann uns auch dabei unterstützen, eine Art Opus Magnum zu realisieren.

Vielen Dank fürs Interview und hoffentlich bis demnächst!

 

15.08.2007 von Silvia