Interview mit  Path of Golconda

 

Für diejenigen unter euch, die bisher noch nicht die Gelegenheit hatten sich die Musik der fünf Herren aus Oberhausen anzuhören (und natürlich auch für alle anderen Interessierten) gibt es hier nun die Chance einen Einblick in die interessante Gedankenwelt von Schlagzeuger Roman und Sänger Manuel zu erhalten und die unverblümte Wahrheit über Path of Golconda und die Entstehung ihrer Musik zu erfahren.

 

Hallo und erstmal ein herzliches Willkommen an Bord unseres gemütlichen kleinen Portals.


Auf eurer Homepage kann man nicht viel dazu finden, also erzählt doch für diejenigen die euch noch nicht kennen erstmal n bisschen was über eure Vergangenheit. Wie habt ihr euch zusammengefunden, was hat sich in der ganzen Zeit bis heute so im Line-Up getan?

 

Manuel: Seit meinem Einstieg vor 4 Jahren gab es keine Änderungen mehr im Line-Up. Die Band arbeitete davor etwa seit 1999 zusammen. Vor meinem Einstieg bei P.o.G. war ich ziemlich lange Sänger der Band „Downstroke“, die immer noch aktiv sind - und übrigens rocken!! Als ich bei Downstroke ausstieg, zeichnete sich gleichzeitig ab, dass sich die Wege von P.o.G. und dem ehemaligen Sänger Tobias trennen werden. Die Story endet so, dass mein Vorgänger nun bei Downstroke singt. Ich denke, beide Bands profitieren im Nachhinein davon, da Tobias´ Stimme zum Downstroke-Sound wie die Faust aufs Auge passt, und ich mich zusammen mit Path of Golconda noch enorm weiterentwickeln konnte.


Vor kurzem habt ihr ja euer neues Album „The Threshold Diaries“ veröffentlicht. Welche Bedeutung hat dieser Titel für euch?

 

Manuel: Mit dem Titel „The threshold diaries“ verbinden wir persönliche Erfahrungen, die wir einzeln, als Band und als Freunde gemacht haben. Zudem haben wir Gedankengut ausgetauscht und musikalisch umgesetzt. Es wird wohl nie wieder ein Album von uns geben, dass sich so nah an unserer eigenen  Realität orientiert, so dass mir das Werk sehr am Herzen liegt...


„The Threshold Diaries“ ist ja bereits das zweite Album, das ihr in Andy Classens Stage-One Studio aufgenommen habt. Was hat sich im Vergleich zum letzten Mal verändert?

 

Roman: Diesmal hatten wir, bevor wir ins Studio gingen, eine genauere Vorstellung davon, was uns erwarten würde. Da wir uns beim letzten Mal sehr gut verstanden hatten, war die Vorfreude auch entsprechend groß. Ich hoffe, auf beiden Seiten, haha! Jedenfalls haben wir uns diesmal direkt am ersten Abend zusammengesetzt, seltsamen thailändischen Whiskey getrunken und in entspannter Atmosphäre über dies und das geredet. Diesmal haben wir also insgesamt einfach häufiger darüber geredet, was wir für Vorstellungen haben, und was Andy so im Kopf hat. Ich denke, man hört das der Platte an, und wir sind beide sehr stolz darauf, dass die Platte sowohl rauer, organischer als auch wuchtiger und transparenter produziert wurde als beim letzten Mal.


Wer die „destination:downfall“ kennt, wird feststellen, dass eure Songs auf „The Threshold Diaries“ diesmal insgesamt kürzer ausgefallen sind. War das Zufall oder hat das vielleicht sogar praktische Bewandtnis?


Roman: Du meinst praktisch in dem Sinne, dass wir eine etwaige Asphyxie nun nicht mehr über sieben, sondern lediglich 4 Minuten verbergen müssen? Eigentlich nicht, denn die Songs sind ja immer noch zu lang, um als „kurz“ zu gelten. Radiotauglich sind sie auch nicht… es ist eher so, dass wir diesmal manchmal einfach Lust hatten, loszuthrashen und es gut sein zu lassen, wenn alles Nötige gesagt ist. Vielleicht werden die neuen Songs wieder epischer, vielleicht mischen wir auch wieder stärker… das ist vorher schwer zu sagen, weil wir uns da ungern zu irgendetwas zwingen.

 

Manuel: Für alle, die´s kurz mögen: Es war Zufall...

  

Eure Releaseparty wurde ja teilweise gefilmt um dann später eine DVD zu veröffentlichen…was werden wir denn so alles zu sehen bekommen und wann wird’s soweit sein?


Roman: Nun, leider verschiebt sich der geplante Releasetermin nach hinten, da wir den Dreh des Videoclips absagen mussten. Unser Basser hatte sich ziemlich fies die Bänder gerissen und das sah selbst für uns Blutbad-verliebte Metalheads zu brutal aus… wir nutzen die Zeit jetzt, um die Backstage- Dokumentation in Form zu bringen – immerhin heißt es, ca. 30 Stunden Material auf ein erträgliches Maß zu bringen, wobei ich daran zweifle, dass es für diese Szenen überhaupt so etwas wie ein „erträgliches Maß“ gibt! Ich denke, dass wir gegen Ende des Jahres, vielleicht auch Anfang 2007, alles soweit zusammen haben werden. Die Livetracks sind bereits bei der Releaseparty aufgenommen worden: Wir werden wohl „Metropolis Rotting“, „Between God and Gutter“ und noch zwei weitere Songs nehmen. Mehr war leider nicht im Budget, aber es reicht sicherlich für einen Eindruck und Circle Pits im Wohnzimmer.

 

Wie kann man sich den typischen Songwritingprozess bei euch so vorstellen und was inspiriert euch?

 

Manuel: Grob gesagt variiert der Songwriting-Prozess insofern, als dass entweder zuerst ein Riff da ist, oder eine recht konkrete Text-Idee. Egal was zuerst kommt, es findet deshalb meist recht schnell zueinander, da es bisher so war, dass allen der Gesamtkontext –also das Konzept- als Inspiration dient.

Songs wie „Promises in Stone and Fire“ und „Message in a Rifle“ sind für mich typische Path of Golconda-Songs, deren thematische Verknüpfungen zu Interpretationen reizen. In einigen Interviews habt ihr ja schon erklärt, dass ihr zur Bedeutung der Texte nicht viel sagen würdet um eben diese eigenen Interpretationen der Hörer nicht zu behindern (schade eigentlich, mir juckts auch in den Fingern *g*). Wie wichtig ist es euch, dass sich die Hörer mit euren Texten auseinandersetzen?

 

Manuel: Ohne eine Identifikation mit dem Inhalt hätte ich keine Grundlage für meine Art des Gesangs. Unabhängig davon, ob die Leute sich mit den Texten auseinandersetzen oder nicht, so sollen sie doch deutlich hören, dass ich meine, was ich sage. Nach dem Erscheinen der „Destination:Downfall“ haben uns ein paar Leute echt schwer beeindruckt, weil sie einzelne Texte gedeutet und aufgesaugt haben. Wenn solche Leute dann bei einem Konzert in der ersten Reihe stehen, ist es ungemein beflügelnd, weil man sich verstanden fühlt.

Warum wir nicht konkret auf die Texte eingehen möchten, hm...Da fallen mir zwei Antwortmöglichkeiten ein. „Künstler“ erschaffen etwas, dass erst dann zu einem öffentlichen Kunstwerk wird, wenn es durch die Fantasie des Betrachters gesehen wird. Wer dies anmaßend findet, weil diese Aussage impliziert, dass wir uns als Künstler verstehen, hier die alternative Erklärung: Wenn ein Hund zufällig auf ein Blatt Papier scheißt, fragt das Herrchen auch nicht, was der Hund sich bei der gekringelten Form gedacht hat, hehe!

 
Euer Song „Devour Machine“ war bisher auf allen euren Veröffentlichungen in verschiedenen Versionen vorhanden. Lag es daran, dass es einfach ein absolut genialer Song ist der gut ankommt oder hat er für euch eine besondere Bedeutung?

Und warum gab’s diesmal keine neue Version?

 

Roman: Es war eigentlich mehr ein Zufall, dass es dieser Track so zu Ehren gebracht hat. „Devour Machine“ war aber auch der Song, den früher die meisten Leute bei Konzerten gefordert haben; deshalb haben wir ihn sowohl auf „Astigian“ als auch auf „Demonheart“ gepackt. Im Stage One konnten wir uns dann einfach nicht nehmen lassen, das Teil noch mal mit derart fettem Sound aufzunehmen; da ist uns dann aufgefallen, das man das schon als eine Art Tradition auslegen könnte… den Song dann aber direkt noch mal aufzunehmen, war uns für „The Threshold Diaries“ dann aber doch zu blöd… aber wenn man genau hinhört, gibt es ein Zitat… versteckt auf der aktuellen CD! Er lässt uns also so schnell nicht los, haha!

 
Ich erwähnte ja schonmal in einer der Reviews, dass es bei einigen Bands wohl so üblich zu sein scheint, ihre Sänger vor den Aufnahmen und vor Konzerten zu provozieren um aus ihnen an Stimmgewalt das herauszulocken, was man bei euch so eindrucksvoll hören kann. Da fragt man sich doch welche Methoden ihr dazu entwickelt habt…Manuel…du bist wohl derjenige, der da am besten was zu sagen kann?

 

Manuel: Hm, ja, da haben die Bandkollegen so ihre Methoden. Im Stage One gibt es einen gemeinschaftlichen Schlafraum. Während der Rest der Band nebeneinander mitten in diesem Raum zu schlafen pflegt, habe ich meinen Schlafplatz im einzigen Schlupfwinkel unter der Treppe. Das liegt daran, dass ich derjenige bin, der am längsten braucht, bis er einpennt. Wie jahrelang ausgebildete Fremdenlegionäre haben es die Jungs drauf, alle gleichzeitig einzuschlafen. Nicht ganz gleichzeitig, sondern etwa je eine Sekunde zeitversetzt. Sie behalten diesen Rhythmus bei, so dass ein ununterbrochenes Schnarchen entsteht. Nicht irgendein Schnarchen: Sie haben keine Kosten und Mühen gescheut, und sich 5000 Watt-Verstärker hinter die flatternden Gaumensegel einpflanzen lassen. So verbringe ich die Nächte mit viel Mordlust, bevor mich in der Regel kurz vor Sonnenaufgang der Hass dahinrafft. Sobald dies geschehen ist, wird der erste Baumfäller wach, kocht Kaffee und geht auf´s Klo, während der zweite ob der blubbernden Verdauungsabschlussgeräusche aus dem Bad erwacht und lachen muss. So oder so ähnlich läuft es dann immer ab, und mit ihrer „müde Löwen sind am gefährlichsten“ –Taktik haben sie in Bezug auf die Gesangsaufnahmen ja scheinbar recht behalten. Sie wissen, dass ich im Affekt auch schon mal mit Möbeln und Verstärkern werfe, aber dass nehmen sie für das Ergebnis in Kauf, hehe. 


Was würdet ihr bisher als eure gemeinsamen High- und Lowlights bezeichnen?

 

Manuel: Zu den Highlights zählten sicherlich die beiden Momente, als die beiden Alben zum ersten Mal fertig waren und wir sie anhören konnten. Und wahrscheinlich das „Up from the ground“-Festival 2005, als wir uns die Bühne mit Hypocrisy, Napalm Death und einigen anderen Heroen unserer Jugend die Bühne teilten. Zu den Lowlights zähle ich eine Party, auf der wir spielen sollten, und ein paar Leute damit begannen, herumzupöbeln. Die Situation eskaliert soweit, dass ich sicher bin, dass ich bis heute noch im Knast sitzen würde, wenn wir den Gig nicht abgesagt und die Party verlassen hätten. 

Das leidige Label-Thema schneide ich eigentlich nur ungern an…aber vielleicht möchtet ihr ja für diejenigen die euch noch nicht so gut kennen noch was dazu sagen? ;-) Oder gibt es gar überraschenderweise Neuigkeiten?


Roman: Die gibt es leider noch nicht, aber wir hoffen natürlich, bald etwas zu diesem Thema veröffentlichen zu können! Es ist wie verhext, aber die Suche nach einem geeigneten Label gestaltet sich tatsächlich als schwierig. Was mich am meisten stört, ist aber, dass inzwischen die Leute mehr Gedanken daran verschwenden, als wir, haha! In allen Reviews bisher ging es hauptsächlich um die Labelproblematik- das Mitgefühl ehrt uns natürlich, aber manchmal wünscht man sich, die Schreiber würden mehr die Musik beachten, damit wir ein paar Pressestimmen eben für die Labels zusammenkriegen. Oder sie verfassen direkt eine Petition, haha!

 

Nachdem das neue Album jetzt endlich veröffentlicht wurde…worauf konzentriert ihr euch als Nächstes? Was ist noch für den Rest des Jahres geplant?


Roman: Ich für meinen Teil bin schon völlig cholerisch, weil ich nicht erwarten kann, endlich an neuem Material zu arbeiten. Bereits im Studio hatte ich wieder tausende neuer Ideen… Dann gibt es natürlich noch die Konzerte – in diesem Jahr zum ersten Mal auch im fernen, fernen Ausland.

 

Danke für die geduldige Beantwortung meiner Fragen und weiterhin noch viel Erfolg mit dem neuen Album.

 

Roman: Vielen Dank für das geduldige Stellen der Fragen! Wir freuen uns, Teil des „gemütlichen Portals“ zu sein und wünschen Dir natürlich auch alles Gute!

Manuel: Dem kann ich nur zustimmen, vielen Dank dass wir dich zuschwallern durften, you rock!

 

 

02.08.2006 von Silvia