Interview mit Midwinter

Midwinter rocken! Das kann man anders nicht sagen. AbraxasNOIR, seines Zeichens Keyboarder, stand Rede und Antwort für Deymoth.net. Von "Loss of Light" über "Astral Mirrors" bis zu dem Geheimnis wie man einen Kirchenchor motiviert und überzeugt an einem dunklen, metalischen Werk mitzuwirken.

Was ich schon immer Wissen wollte Wie kam der Name Midwinter zustande?

Wir suchten kurz nach Gründung einen Bandnamen und kamen auf MIDWINTER, da dieser Name die Musik, die wir damals machen wollten und heute auch noch machen, gut beschreibt: kalt, düster, atmosphärisch. Einen religiösen Bezug zum heidnischen Fest der Wintersonnenwende hat unser Name jedoch nicht.

Wenn ich es noch richtig in Erinnerung habe, habt ihr "Loss of Light" im eigenen Proberaum aufgenommen. Ich interessiere mich für so etwas immer besonders. Was habt ihr dabei für Erfahrungen machen können?

Wir haben nicht nur "Loss of Light" sondern auch "Astral Mirrors" in den eigenen Räumlichkeiten eingespielt, jedoch beide Scheiben mit unterschiedlichen technischen Voraussetzungen. Damals, als wir uns entschieden haben, "Loss of Light" aufzunehmen, hat sich freundlicherweise ein Bekannter von uns (Steve Baltes), der direkt neben unserem damaligen Proberaum ein eigenes Studio eingerichtet hatte, bereit erklärt, den technischen Part zu übernehmen. Seine musikalischen Aktivitäten fanden jedoch größtenteils in den Bereichen Techno und Trance statt, somit wurden wir seine erste (und bisher soweit ich weiß auch einziges) Metal-Recording-Session. Die Aufnahmen waren sehr angenehm und streßfrei, und das Resultat kann sich für ein erstes Demo durchaus hören lassen. Natürlich entstanden dabei auch ein paar überwiegend soundtechnische Probleme (welche nach Fertigstellung der CD erst richtig spürbar wurden), die jedoch nicht generell auf fehlende Kompetenz unseres Bekannten, sondern eher auf die fehlende Schnittmenge der von Steve und uns favorisierten musikalischen Genres zurückzuführen waren. Alles in allem können wir aber mit dem Demo zufrieden sein.´

Als sich die Frage stellte, wie man nun die nächste CD aufnehmen wolle, bot unser Bassist (und seit langem auch Techniker) Andi an, unseren Proberaum entsprechend als Studio auszustatten und die CD in Eigenregie aufzunehmen. Gesagt, getan: Andi arbeitete sich intensiv in die Materie ein und produzierte das Album. Nach dem Mixing, welches Andi auch selbst machte, ließen wir "Astral Mirrors" bei monoposto in Düsseldorf mastern. Das bisher vielgelobte Resultat ist ja nun schon seit einem Jahr hörbar.

Weitere Unterschiede sind, daß wir die "Loss of Light" nicht komplett nach Instrumenten getrennt aufgenommen haben. Für die "Astral Mirrors" hatten wir hingegen wesentlich mehr Spuren zur Verfügung. Zudem hatten wir durch das eigene Aufnehmen mehr Zeit, die CD in Sachen Perfektion sowie Umfang/Komplexität nach eigenem Gusto zu optimieren und spontane Ideen auszuprobieren. Und das Soundresultat muß sich nun wirklich nicht verstecken. Da wir mittlerweile das Studio auch anderen Bands kostengünstig für Aufnahme und Mixing zur Verfügung stellen, wächst unsere Erfahrung natürlich mit jeder Recording-Session, so daß für die nächste CD noch einiges zu erwarten ist.

Was hat sich zwischen der "Loss of Light" und "Astral Mirrors" verändert? Besatzungswechsel gab es zum Glück wohl nicht!?

Doch, die gab es! Ende 2000 haben wir uns von unserem damaligen Sänger Jörg getrennt und lernten kurz darauf Mordan kennen, welcher seit Dezember 2000 fester und nicht mehr wegzudenkender Bestandteil Midwinters ist. Unser zweiter Line-Up-Wechsel vollzog sich ein paar Jahre später. Im Juni 2003 verließ uns unserer bisheriger Drummer Patrick. Die Suche nach einem neuen Trommler erwies sich nicht gerade als einfach. Trotz einiger Bewerbungen war vorerst niemand dabei, der in Frage gekommen wäre, und so half uns Martin Blum von EXCHASED dankenswerterweise für ein paar Gigs am Schlagzeug aus. Anfang Januar 2004 stieß dann Flo zu uns. Nachdem wir ihm während ein paar Proben musikalisch auf den Zahn gefühlt hatten, wußten wir bald, daß unsere Suche nun beendet war. Seitdem steht das aktuelle Line-Up von MIDWINTER.

Zur Zeit sind wir allerdings auf der Suche nach einem zweiten Gitarristen als vollwertiges Bandmitglied, um vor allem live unseren Sound noch satter und abwechslungsreicher zu machen. Interessierte dürfen sich gerne über unsere Homepage bei uns bewerben!

Wo ich gerade bei der aktuellen Scheibe bin: Wie kam es dazu, dass Golden Age im neuen Gewand auf die Scheibe kam?

Wenn ein Song fertiggestellt und live-tauglich ist, heißt es ja nicht zwangsläufig, daß man an dem Song nicht mehr arbeitet. Jeder unserer Songs hat im Laufe der Zeit kleinere oder größere Änderungen erfahren; das Verbessern und Überarbeiten der bestehenden Songs ist ein nahezu stetiger Prozess. Den größten Teil unserer älteren Stücke mögen wir im Übrigen sehr, so daß es auch für uns reizvoll ist, sie in überarbeitetem Gewand mit besseren technischen Möglichkeiten und gewachsenen Fähigkeiten am Instrument komplett neu einzuspielen. Wenn man mal beide offiziellen Aufnahmen von "Golden Age" miteinander vergleicht, hört man das deutlich heraus. Auch für unsere nächste Scheibe sind 1-2 Neuaufnahmen älterer Songs geplant.

Gibt es eurer Meinung nach deutliche Einflüsse anderer Bands in eurer Musik?

Man wird als Musiker wohl immer in irgendeiner Weise von der Musik anderer beeinflusst, dagegen kann man sich kaum erwehren. Inspiration ist natürlich nicht negativ, sondern die Grundlage zum Komponieren neuer Songs. Ich könnte jetzt wohl keine Band nennen, an der wir uns definitiv orientieren. Jedoch hat jeder einzelne von uns seine eigenen Einflüsse, die er in unseren Gesamtsound mit einbringt. Esther hört gerne Bands wie Alice Cooper oder In Flames, wobei man gerade den Einfluss der Letztgenannten in ihrem Gitarrenspiel wiederfinden kann. Andi läßt in seinen Kompositionen nicht selten Power Metal-Elemente mit einfließen, Flo läßt sich durch Black Metal sowie EBM/Industrial inspirieren, Mordan favorisiert old school Black Metal Bands und Folk, und ich selbst beziehe meine Einflüsse von symphonischen BM-Bands wie Dimmu Borgir oder Emperor, Doom-Bands wie My dying bride und vielen anderen. Dies alles sind jedoch nur Beispiele. Jeder von uns hat einen breit gefächerten Musikgeschmack. Wichtig ist es uns, trotz alles Einflüsse aus den verschiedensten Metal-Genres nicht den roten Faden unseres eigenen Stils zu verlieren.

Ich habe eure Seite mal genauer betrachtet und bin auf einige Bilder gestoßen. Unter anderem von Choraufnahmen. Wenn meine Augen mich nicht täuschen wart ihr tatsächlich extra dafür in einer Kirche? Schade, dass diese Aufnahmen nicht zu hören sind. Aber wie bekommt man als Dark/Black Metal Band einen Kirchchor davon überzeugt?

Ja, das war schon eine interessante und unkonventionelle Aktion... hehe! Unsprünglich war der Chor für "Through The Mirror" - das Intro von Astral Mirrors - geplant. Da ich schon seit über 15 Jahren nebenbei aktiver Kirchenmusiker und seit mehr als 12 Jahren der angestammte Begleiter jenes Chores bin, waren die Sängerinnen und Sänger sofort bereit, mitzumachen. Und da wir in unseren Songs nicht auf (anti-)religiöse Themen fokussiert sind, gab es auch keine ideellen oder ethischen Probleme mit dem Chor. Unsere Musik an sich war für den Chor selbstverständlich neu und ungewohnt, jedoch zeigten die Mitglieder keine Ablehnung, sondern Engagement und Interesse. Daß es die Aufnahmen leider nicht bis auf die CD geschafft haben, liegt im Endeffekt daran, daß die Verarbeitung der Chorspuren Zeit in Anspruch genommen hätte, die wir aufgrund eines terminlichen Problems vor dem Mastering trotz vieler "Studio-Nachtschichten" seitens Andi leider nicht mehr hatten. Aber was nicht ist, kann noch werden! Eine ähnliche Aktion planen wir für die nächste CD, und wenn zwischendurch mal etwas Zeit ist, wird Andi gegebenenfalls eine Intro-Version mit Chor nachträglich editieren, die sich Interessierte und Fans dann als kleines Goodie von unserer Page runterladen können.

Wie sieht bei euch das typische Songwriting aus und worum geht es in euren Texten?

Die meisten unserer Songs schreiben Andi oder Esther. Andi liefert uns meistens das Grundgerüst des fertigen Songs als komplettes MIDI-File mit vorerst allen Instrumentenspuren, die wir dann nach und nach einstudieren, umsetzen und überarbeiten. Esther stellt uns ihre Songs in der Regel basierend auf ihren Gitarrenriffs vor, und der Rest von uns komponiert seine Parts dann dazu, und es wird ebenfalls wieder so lange gewerkelt, bis der Song steht. Ab und an entsteht auch ein neuer Song aus einer spontanen Idee heraus komplett im Proberaum, wie z.B. "Evoking the Grotesque" oder "Existence means suffering".
In unseren Texten, welche übrigens aus Mordans, Esthers oder Andis Feder kommen, geht es im Groben um Ängste, Alpträume, Verlust und Verzweiflung, jedoch auch um Hoffnung, Aufbegehren und Rebellion. Wichtig ist uns, daß die Aussagen der Texte durch den Klang der Musik unterstrichen werden.

Was wird wohl als nächstes von euch kommen? Schon etwas in Planung?

Natürlich denken wir schon wieder über die nächste CD nach. Aber wir brauchen noch ein paar neue Songs, damit nicht nur eine Single daraus wird... ;-) Wer sich schonmal ein ungefähres Bild davon machen will, wie unsere nächste CD klingen könnte/wird, darf gerne unsere Konzerte besuchen und sich Songs wie "The Demonizer", "Dragonrock" oder "The Song Inside" anhören. Konzepte zur Gestaltung gibt es auch schon, jedoch sind sie noch nicht konkret genug, um schon jetzt zu viele Worte darüber zu verlieren. Wir sind unserem Stil jedenfalls treu geblieben und sicher, auch mit unserem nächsten Release ein paar Kracher zu bieten, und selbstverständlich setzen wir alles daran, soundmäßig sowie spielerisch immer noch besser zu werden.

Danke, dass ihr euch Zeit genommen habt meine Fragen zu beantworten. Nun sollt ihr noch etwas in eigener Sache sagen! Bis dahin alles Gute!

Thanks für die letzten Worte... ;o) Ich bedanke mich zuerst für das Interview und wünsche Euch viel Erfolg dem Portal!
Wer mehr über uns erfahren möchte, sollte auf unserer Homepage unter
http://www.midwinter-online.de nachschauen. Unter anderem gibt es dort auch genug Material als mp3s, mit welchem man sich einen guten Eindruck von unserer Musik verschaffen kann. Natürlich kann man dort auch "Loss Of Light" und "Astral Mirrors" bestellen, sowie uns eine Nachricht im Gästebuch hinterlassen.
Last but not least beste Grüße an alle, die den Metal mögen und (er-)leben!
Keep on rockin'!

AbraxasNOIR

05.11.2005 von Sascha

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