Interview mit Exotherm


Bandvorstellung und Review zu Exotherm konntet ihr bereits lesen. Damit alle Wissenslücken nun noch gestopft werden können, standen mir Sänger Georg und Gitarrist Christian Rede und Antwort zu Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Band...

 

Ihr spielt mittlerweile seit etwa 8 Jahren gemeinsam bei Exotherm. Wie habt ihr euch damals zusammengefunden?

Georg: Nunja, wir waren zu der Zeit in der Schwulen- und Lesben- Szene sehr aktiv und auf irgendeiner ominösen Dark Room Party hat es gefunkt ;-)

Christian: Die Wahrheit ist natürlich sehr nüchtern.... Alex und ich haben uns auf einer Klassenfahrt quasi „über die Gitarre“ kennen gelernt und dann öfter mal zusammen Musik gemacht. Niki und Pascal waren in meiner Klasse und wurden zum Basser umerzogen (Niki hat vorher Keyboard gespielt) bzw. zum Schlagzeug gezwungen. Damit hatten wir das Grundgerüst für eine Band. Wir haben einfach mal angefangen, das war klassisches Learning By Doing.


Auf eurer Homepage ist zu lesen, dass Georg 1999 in die Band eingestiegen ist. Gab es ansonsten in der ganzen langen Zeit keine Besatzungswechsel?

Christian: Wir haben zwar vorher mit einigen Sängern geprobt, die aber nie lange bei uns geblieben sind. Niki hat zu der Zeit mit Georg zusammen noch in einer anderen Band gespielt und so kam der Kontakt zu Stande. Seit Georg dabei ist, stimmt alles und wir sind nicht nur eine Band sondern auch gute Freunde.

Georg: Ich sag mal: Einmal Exo - immer Exo!


Wenn ich richtig informiert bin ist Alex bei euch sowas wie der Hauptsongwriter. Wie sieht bei euch dann das typische Songwriting aus? Entsteht die Musik um die Texte herum oder schreibt ihr erst die Musik und arbeitet daraus dann passende Lyrics heraus?

Georg: Die typische Arbeitsweise sieht so, aus, dass Alex in seinem stillen Kämmerlein seine Ideen zu Musik verarbeitet. Das Ergebnis wird uns bei der nächsten Probe präsentiert und meistens sagt es uns zu. Wenn es der Masterplan erlaubt, fließen noch ein paar spitzfindige Ideen der Anderen ein.

Christian: Mittlerweile arbeiten Georg und ich auch viel via Internet zusammen. Man schickt sich die mp3 einer Aufnahme zu und berät sich über den Song oder schickt eine bearbeitete Version zurück. So sind auch schon ein paar nette Ideen gewachsen.


Euer Album „project 47“ wurde 2002 bereits als ungemasterte CD-R veröffentlicht und kam 2004 dann nochmals überarbeitet raus. Wie kam es dazu und was hat sich evtl. musikalisch verändert?

Georg: Tja, das ist in der Tat eine kuriose Geschichte. Es war nämlich so, dass wir irgendwann satt waren diese ganzen CDs selber zu brennen und die selbstgedruckten Cover auszuschneiden usw. Somit gaben wir dann bei den vielen Anfragen der Plattenfirmen klein bei, suchten uns die beste aus und handelten einen ordentlichen Vertrag aus. Seitdem hab ich keine Schere mehr in der Hand gehabt.

Christian: Wir haben die alten Aufnahmen in einem Studio mastern lassen, so dass sich musikalisch nichts verändert hat. Am Sound hat sich aber einiges getan, die Scheibe klingt viel satter und ausgewogener als vorher.


Das Material eurer CD ist besonders textlich sehr unterschiedlich. Woran liegt das und was inspiriert euch?

Georg: Da hast du Recht und, wie an deinem Review zu erkennen ist, hast du dich tatsächlich auch textlich mit uns auseinandergesetzt. An dieser Stelle erst nochmal ein großes Dankeschön für die ehrenvollen Worte. Es ist bei den Texten, wie schon erwähnt, so, dass sie aus verschiedenen Situationen heraus entstehen. Dabei behandeln wir Alles, was uns gerade in den Sinn kommt, ohne jedoch total ins lächerliche zu verfallen, was und natürlich äußerst fern liegt! Themen, die vorkommen, behandeln unseren Glauben, unsere Liebe und alles was uns stört...ich denke damit bewegen wir uns textlich in komplett neuen Gefilden und es ist ja auch mal toll, wenn eine Band was neues ausprobiert *g*.

Christian: Das lass ich einfach mal so stehen, hehe. Musikalisch gesehen kommen da sicher unsere verschiedensten Einflüsse zum Tragen und wir bauen auch mal gerne einen ruhigeren Teil ein, bevor es wieder was auf die zwölf gibt.


Welche Bedeutung hat eigentlich der Albumtitel „project 47“?

Christian: Darüber ranken sich Mythen über Mythen. Ein Grund ist, dass das Album 47 Minuten und 47 Sekunden lang ist, alles Andere bleibt natürlich streng geheim...


Der Song „Icarus“ handelt von gleichnamiger Gestalt aus der griechischen Mythologie. Wie kam es dazu, dass ihr ausgerechnet über ihn einen Song geschrieben habt? Verbindet ihr damit etwas oder möchtet ihr damit was Bestimmtes ausdrücken?

Georg: Nunja, ich hab mich nicht wirklich ausgiebig mit der griechischen Mythologie befasst. Mir kam nur irgendwann der Gedanke, dass es mal interessant wäre, ein solches Thema zu behandeln. Erstaunt hat mich dann im Grunde, wie schnell und einfach mir so etwas von der Hand ging. Wer sich natürlich auskennt in diesem Genre weiß, dass es einen Titel von Iron Maiden gibt, der eben dieses Thema auch behandelt... Nun ist es auch so, dass ich ebenfalls großer Maiden-Fan bin. Ich möchte aber behaupten, dass es nicht meine Absicht war irgendetwas abzukupfern, als vielmehr mich im Nachhinein damit zu identifizieren und - soweit ich das überblicken kann - hab ich keine Textpassage übernommen...


2003 und 2004 gab es dann einige Samplerbeiträge von euch. Was habt ihr in der Zeit ansonsten so angestellt?

Christian: Da haben wir uns verstärkt um Auftritte gekümmert und auch an einigen Bandcontests teilgenommen (was wir aber in den meisten Fällen nicht empfehlen können, da es oft nur Geldmacherei der Veranstalter ist, wenn das Publikum abstimmt und die Band ihren Fans teure Eintrittskarten verkaufen muss...).


Dieses Jahr habt ihr sogar schon einen Beitrag zu einem italienischen Sampler beigesteuert. Gab es schon Rückmeldungen wie ihr außerhalb Deutschlands bei den Hörern so ankommt? Vielleicht auch schon Anfragen für Auftritte? ;-)

Christian: Ja, letztens kam eine Anfrage aus den Staaten, ob wir dort schon Termine hätten, weil wir dann bei einem Festival dabei sein könnten. Leider fehlt wie immer das nötige Kleingeld für ein paar Flüge und Hotels... Dieses Jahr haben wir bisher zwei Gigs in Italien und den Niederlanden. Darauf freuen wir uns schon sehr. Natürlich dürfen das noch ein paar mehr werden. Die Reviews im Ausland sind in den meisten Fällen sehr positiv. Nur der Schreiber eines französischen Magazins mochte uns nicht so wirklich und wetterte: „Schlechter Metal wie von Running Wild – und auch noch aus Deutschland“ Ich glaube das war sogar der einzige Satz zum Album, da mußten wir schmunzeln.


Ich hab mir sagen lassen, dass ihr live einiges zu bieten habt und ein Talent dafür habt das Publikum mitzureißen. Wie wichtig sind euch die Livegigs?

Christian: Die wenigsten Zuschauer wollen nur Musik hören, sondern unterhalten werden. Dann nennt man es nicht mehr "Konzert" sondern "Show“. Wenn man einen Sänger sieht, der sich hinter einem Mikro-Ständer versteckt, kommt da selten was rüber. Und du weißt ja "Die Leute wollen, dass was passiert..."


Wann gibt’s was Neues von euch zu hören? Kann man schon in etwa sagen was uns (vielleicht im Gegensatz zu „project 47“) erwartet?

Christian: Unser Label plant die nächste Veröffentlichung für September ein, damit wir nicht mitten im Sommerloch unter gehen. Das neue Album wird etwas moderner und teilweise auch härter klingen, aber natürlich bleibt es Exotherm. Ein Live-Video zu einem der neuen Songs gibt es bei uns auf der Homepage, da kann man schon mal einen ersten Eindruck bekommen.


Danke, dass ihr euch Zeit genommen habt meine neugierigen Fragen zu beantworten und viel Erfolg für die Zukunft!

Christian: Wir haben zu danken!

 

10.04.2006 von Silvia