Interview mit Dorn
 

Zuerst mal ein bisschen was zur Geschichte der Band. Roberto hat vor einigen Jahren mit Dorn als einem 1-Mann-Projekt angefangen. War das so gewollt oder haben sich einfach keine passenden Musiker gefunden?

Micha: Damals war das schon so gewollt, ja. Roberto war bei seiner damaligen Band "Riger" unzufrieden, hatte das Gefühl, sich nicht selbst zu 100% verwirklichen zu können. Darum gründete er Dorn bewusst als Ein-Mann-Projekt, bei dem er wirklich alle Zügel selbst in der Hand hielt. Dorn wurde immer intensiver und füllte Roberto immer mehr aus, bis er sich letztendlich gezwungen sah, bei Riger auszusteigen, um sich ganz auf Dorn konzentrieren zu können. Die ersten drei Dorn-Alben "Falscheit", "Brennende Kälte" und "Schatten der Vergangenheit" entstanden vollständig im Alleingang, bis auf ein wenig Studioaushilfe hier und dort am Schlagzeug. Bis hierhin war Dorn absichtlich ein 1-Mann-Projekt, wenn auch Roberto schon zu Zeiten von "Brennende Kälte" den Wunsch verspürte, wieder auf der Bühne zu stehen und seine Songs einem Publikum live präsentieren zu können. Er begann also nach fähigen Mitstreitern zu suchen, jedoch sollte sich dieser Prozeß als ausgesprochen langwierig herausstellen.


Wie entwickelte sich die Band dann weiter, wie kam es zu der heutigen Besetzung?  

Micha: Von seinem Wunsch getrieben, die Bühnen dieser Welt zu erobern, suchte Roberto nach Musikern, die er von Dorn überzeugen konnte. Anfang 2003 war es dann soweit, daß Dorn zum ersten Mal als komplette Band im Proberaum stand. Damals waren wir zu fünft. Wir begannen mit den Arbeiten am "Suriel"-Album, das wir im Mai 2004 im Linzer CCP-Studio aufnahmen. Leider ließ es sich nicht vermeiden, daß sowohl Keyboarder Lars als auch Sängerin Ira die Band aus persönlichen bzw. beruflichen Gründen verlassen mussten. Seitdem sind wir also nur noch zu dritt, was aber nicht bedeutet, daß wir nun weniger intensiv an den Songs arbeiten oder das Dorn-eigene Keyboard vernachlässigen würden. Im Gegenteil: Die Entwicklung der Keyboard-Spuren hat Roberto wieder übernommen und unserem Empfinden nach klingen sie mehr denn je nach dem, was Dorn seit jeher ausgemacht hat.


Welche Bedeutung hat eigentlich der Bandname „Dorn“?

Micha: Bei Dorn als Name dachte Roberto an einen Dorn an einer Pflanze und dessen Eigenschaften: Er ist klein und spitz, wird niemanden umbringen, aber durchaus unangenehm schmerzen, wenn man sich dran sticht. Wir sind keine Weltverbesserer, die andere oberlehrerhaft auf ihre Fehler hinweisen, wobei wir es uns natürlich auch nicht verkneifen können, unsere Meinungen und Ansichten zu bestimmten Themen und vorherrschenden Meinungen kund zu tun. Mal davon abgesehen finden wir natürlich auch, daß Dorn einfach ein Name ist, den man sich gut merken kann und der gut klingt. *g


Soweit ich weiß habt ihr ausschließlich deutsche Songtexte. Hat das einen besonderen Grund?

Micha: Ja, wir können es ;-)
Nein im Ernst: Deutsch ist nunmal unsere Muttersprache und von daher die Sprache, die wir am besten beherrschen. Wenn sich jemand die Mühe macht, Texte von Dorn zu lesen, wird er hoffentlich feststellen, daß sie sich schon etwas von den genre-typischen Heavy Metal Lyrics unterscheiden. Meist sind die Texte sehr metaphorisch, erzählen zusammenhängende Geschichten, auch über mehrere Songs hinweg. Natürlich würden wir mit englischen Texten mehr Leute erreichen, aber es ginge einfach die Intensität der Texte verloren. In fremden Sprachen könnten wir uns nie so ausdrücken, wie wir es auf deutsch können.


Der Großteil der Songs wird vermutlich von Roberto als Gründer der Band stammen. Wie entstehen die Songs, seit Dorn kein 1-Mann-Projekt mehr ist? Ist immernoch Roberto hauptsächlich mit dem Songwriting beschäftigt oder hat sich durch die anderen Bandmitglieder was verändert?

Micha: Natürlich hat sich durch die anderen Bandmitglieder einiges verändert, natürlich bringt jeder neue Kopf auch neue Ideen und Anregungen mit ins Songwriting rein, trotzdem hast Du Recht, wenn Du vermutest, daß der größte Teil nach wie vor von Roberto kommt. Er ist derjenige, der die Texte schreibt und er ist auch derjenige, der sich oft allein im Proberaum einschließt, neue Songs schreibt und hinterher seine Ideen vorstellt. Meist ist es so, daß ca. 80-90% eines Songs von Roberto sind. Sebastian (Drums) und ich (Bass) basteln dann hauptsächlich an unseren eigenen Linien oder schieben an diesem und jenem Part noch etwas hin und her.


Auf „Suriel“ hattet ihr auch zum ersten Mal weibliche Unterstützung beim Gesang von Ira. Welche Erfahrungen habt ihr mit ihr gemacht? War es Zufall, dass sie zu euch stieß oder wart ihr schon länger auf der Suche nach einer Sängerin?

Micha: Es war eher Zufall. Ich wusste damals, daß Ira gut singen kann und habe einfach die anderen gefragt, was sie davon halten, eine Frauenstimme mit zu verwenden. Alle fanden es eine gute Idee und so haben wir Ira mit ins Boot geholt. Rückblickend muß man jedoch auch sagen, daß es gemischte Erfahrungen waren, die wir gemacht haben. Zweifellos hat die Frauenstimme damals den Gesamtsound von Dorn bereichert, ihm eine neue Tiefe gegeben. Dennoch haben wir nach dem Weggang von Ira nochmal über eine Frauenstimme nachgedacht und festgestellt, daß sich der Sound von Dorn mittlerweile so verändert und verdichtet hat, daß wir garkeinen Platz mehr finden würden für eine Frauenstimme. Bei Suriel mussten wir lernen, daß es sehr wohl überlegt sein muß, welche Stimme wo welchen Text singt. Wir wollen keine Frauenstimme, nur damit eine Frauenstimme zu hören ist sondern weil wir uns davon erhoffen, daß dadurch unsere Musik weitergebracht wird, aber genau das sehen wir im Moment nicht, weswegen es wahrscheinlich auch in Zukunft keine Frau am Mikro mehr bei Dorn geben wird.


Mittlerweile ist Ira und auch euer Keyboarder Lars wieder ausgestiegen und ihr seid nur noch zu dritt. Wie funktioniert das bei euren Gigs, wie setzt ihr eure Songs live um?

Micha: Es funktioniert sehr gut. Für Iras Stimme verwenden wir live keinen Ersatz, sie fehlt also einfach, was dem einen oder anderen Song sicher nicht unbedingt gut tut, aber ein Ersatz würde sich hier eben immer nur wie ein Ersatz anhören und soetwas kommt für uns nicht in Frage.
Das Keyboard wird live von einem Computer gespielt. Das macht für die Ohren keinen Unterschied und um die geht es ja hauptsächlich. Natürlich ist es so, daß gerade bei Dorn das Keyboard eine sehr prägnante Rolle spielt, weswegen wir auch fieberhaft nach einem neuen Keyboarder suchen, aber bis wir einen gefunden haben, haben wir uns eben bei der Frage "gar keine Gigs mehr oder Keys aus der Konserve", für die zweite Variante entschieden. Letztendlich ist es dann auch so, daß jeder einzelne Auftritt eine größere Herausforderung für uns ist, weil wir das Publikum jedesmal aufs Neue überzeugen müssen. Anfangs stehen enige schon staunend im Publikum und fragen sich, wo wohl der Keyboardsound her kommt und ob das alles so zusammen passt, aber die Erfahrung lehrt auch, daß mit fortschreitender Konzertdauer die Leute sehr wohl merken, daß es die Musik ist, um die es geht, daß der Gesamtklang das ist, was die Leute bewegt und berührt und nicht, ob nun 3 oder mehr Menschen auf der Bühne stehen.


Aus einem früheren Gespräch weiß ich, dass ihr nur noch sehr wenige ältere Songs live spielt und euch hauptsächlich auf das Suriel-Material konzentriert. Woran liegt’s und könnten die Gebete von Liebhabern älterer Songs wie z.B. „Wahre Worte“ doch noch erhört werden?

Micha: Mittlerweile konzentrieren wir uns nicht mehr nur auf Suriel sondern auch auf Songs des Folgealbums, das wahrscheinlich Anfang 2007 erscheinen wird, aber Du hast schon Recht, Songs aus der Vor-Suriel-Ära sind sehr spärlich gesäht. Das ist durchaus beabsichtigt, weil mit Suriel ein völlig neues Kapitel bei Dorn aufgeschlagen wurde, weil es eben das erste Album ist, bei dem Dorn eine komplette Band war und das erste Album, mit dem Dorn auftreten konnte.
Wir haben aber auch festgestellt, daß es einige Leute gibt, denen die älteren Songs sehr gut gefallen haben. Ich möchte mal keine falschen Versprechungen machen, aber ich kann wohl verraten, daß das Thema "alte Songs" hin und wieder bei uns auf dem Tisch liegt und wer weiß - vielleicht entscheiden wir uns ja doch dafür, einen dieser Songs mit ins Bühnengepäck zu stecken. Gespannt sein dürft ihr allemal.


Was tut sich im Moment bei euch? Wann können wir was Neues von euch erwarten und was habt ihr sonst noch für dieses Jahr geplant? Vielleicht Auftritte in NRW? :-)

Micha: Im Moment arbeiten wir an den Songs des neuen Albums, das wir noch dieses Jahr aufnehmen wollen. Es wird ein Konzeptalbum werden, aber mehr soll an dieser Stelle auch noch nicht dazu verraten werden, wartet einfach ab. Wir sind soweit schon ganz zufrieden mit dem Fortschritt des Albums. Im Wesentlichen stehen alle Songs und ein paar Vorgeschmäcker kann man sogar schon auf unserer Website oder unseren Konzerten bekommen. Jetzt muß nur noch etwas Feinschliff hier und da geleistet werden und dann sind wir bereit fürs Studio.
Außerdem treten wir ja so oft es geht auf, das nächste Mal beim Eisenwahnfestival zusammen mit Equilibrium und Eisregen, wo wir uns schon riesig drauf freuen. Wird bestimmt eine feine Party werden.
Tja, und wo du gerade NRW ansprichst: Es passiert immer wieder, daß uns jemand fragt "Hey, könnt ihr nicht mal bei mir um die Ecke spielen?", und unsere Antwort ist dann immer die gleiche: Ja, selbstverständlich wollen wir da spielen, aber bis jetzt hat sich leider noch kein Veranstalter gefunden, der uns da haben wollte. Also an dieser Stelle wie immer der Aufruf: Sollte das hier ein interessierter Veranstalter lesen, kann er sich gerne bei uns melden.


Vielen Dank für das Interview, wie immer habt ihr hier nun noch die Gelegenheit für ein paar Worte in eigener Sache.

Micha: Seid gespannt auf unser neues Album, das voraussichtlich so um Februar 2007 erscheinen wird. Ihr werdet Dorn neu erleben können, in einem noch kompakterem, dramatischerem, emotionalerem Soundgewand.
Ansonsten bedanken wir uns für das wirklich gut recherchierte Interview und hoffen dem einen oder anderen Leser auf einem unserer Konzerte zu begegnen.


23.05.2006 von Silvia